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Das grosse Kunstlexikon von P.W. Hartmann

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Morris , William (geb. 1834, Walthamstow/Essex; gest. 1896, London), englischer Architekt, Dichter und Kunstdesigner.

Von 1853-55 studierte Morris am Exeter College in Oxford Theologie. Seinen Neigungen für mittelalterliche Kunst folgend, reiste er danach durch England, Belgien und Frankreich, um besonders aus der Gotik stammende Werke zu besichtigen. Kurze Zeit war er 1856 Schüler des Architekten G. E. Street, um seine Kenntnisse über Architektur zu vertiefen. Während dieser Zeit traf er mit Philip Webb zusammen. 1857/58 betätigte Morris sich unter dem Einfluss von D. G. Rossetti als Maler, wählte danach aber das Kunstgewerbe. Die gute humanistische Schulung in Oxford sowie sein großes Interesse an der Handwerksethik und der Kunst des Mittelalters prägten seinen weiteren Werdegang.

Auch das Buch J. Ruskins, "Die Steine von Venedig", übte großen Einfluss auf Morris aus. Ruskin schildert in dem Werk das Streben der Kunsthandwerker nach Gediegenheit und wendet sich vehement gegen die Industrialisierung. Da Morris für sein 1859 von Ph. Webb bei Upton gebautes berühmtes Landhaus mit dem Namen "Red House" (Rotes Haus) keine passende Einrichtung hatte finden können, gründete er 1861 eine Werkstatt für Inneneinrichtungen, die unter der Bezeichnung Morris, Marshall, Falkner & Co. firmierte. Mit dem Betrieb versuchte Morris zu beweisen, dass gute Handwerksarbeit der industriellen Fertigung in jeder Hinsicht überlegen sei, und arbeitete auch daran, diese Einstellung über das * Arts and Crafts Movement bekanntzumachen. Die Firma, in der u. a. Tapeten, Fliesen, Möbel, Webereien (Wandteppiche), Stickereien, bedruckte Möbelstoffe, farbige * Bleiverglasungen und Hausrat aus Holz oder Metall hergestellt wurden, war sehr erfolgreich. Nach der Umbenennung in Morris & Co. übersiedelte das Unternehmen 1881 nach Merton Abbey, wo es bis 1940 bestand.

In Hammersmith richtete Morris eine Werkstätte für Knüpfteppiche ein. Viele der von Morris selbst stammenden Entwürfe gehören der neogotischen Stilrichtung an und sind zum Teil in seiner 1878 publizierten Schrift "The decorative arts" veröffentlicht. Die Kreationen von Morris erfreuten sich vor allem im * Jugendstil bei Kunsthandwerkern und Käufern großer Beliebtheit. Sein Gedankengut wurde u. a. von Van de * Velde aufgegriffen. Nach der "Art Workers Guild" 1883 gründete Morris 1890 in Hammersmith Verlag und Druckerei Kelmscot Press, die auf schön gestaltete Bücher spezialisiert waren. Sein bekanntestes Werk ist der "Kelmscott Chaucer". Gleichfalls in Hammersmith befand sich die von Morris eingerichtete Werkstatt für Knüpfteppiche. Morris war Zeit seines Lebens in einem persönlichen Zwiespalt. Einerseits vertrat er die Meinung, dass die wahre Kunst vom Handwerk, also vom Volk komme und für das Volk geschaffen sei, ersprießlich gleichermaßen für Hersteller und Nutznießer. Anderseits waren seine aufwendigen Entwürfe und handgefertigten Produkte für den Großteil der Bevölkerung viel zu teuer. Um diesem Dilemma zu entgehen, flüchtete er sich oft in die Traumwelt der Poesie und Dichtkunst.

Da Morris der Überzeugung war, dass das kapitalistische industrielle Gesellschaftssystem den arbeitenden Schichten zu wenig am erwirtschafteten Gewinn teilhaben lasse, widmete er sich seit etwa 1883 vehement dem Klassenkampf und gründete gemeinsam mit Aveling und dessen Frau Eleanor, der Tochter von Karl Marx, die Socialist League. Viele seiner Ideen, über das Kunstgewerbe publizierte Morris in "The decorative arts" (Die dekorativen Künste), deutsche Übersetzung in zwölf Teilen (1901-03). Zu den weiteren Veröffentlichungen von Morris zählen "Die Kunst des Volkes" und "Die Schönheit des Lebens".

E. P. THOMPSON, W. M. Romantic to Revolutionary, London 1955; W. M., Selected Writings and Designs, Hg. A. Briggs, Harmondsworth 1962; P. THOMPSON, The Work of W. M., London 1967; Ph. HENDERSON, W. M. His life, work and friends, London 1967; R. WATKINSON, W. M. as designer, London 1967; F. CLARK, W. M.s Wallpapers and Chintzes, London 1973; A. C. SEWTER, The Stained Glass of W. M., New Haven, London 1974; P. NEEDHAM, W. M. and the art of the book, London 1977; I. BRADLEY, W. M. and his world, London 1978; W. M. Persönlichkeit und Werk, Kat., Zürich 1979; L. PARRY, W. M. Textiles, London 1982; H.-Ch. KIRSCH, W. M., ein Mann gegen die Zeit, Köln 1984; L. PARRY, W. M. Textilkunst, Herford 1987.


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