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Das grosse Kunstlexikon von P.W. Hartmann

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Nazarener

1) auf seine Herkunft Bezug nehmender Beiname Christi.

2) Ironische Bezeichnung für die Mitglieder des St. Lukasbundes, der von Schülern der Wiener Akademie (dem Lübecker Friedrich Overbeck, dem Frankfurter Franz Pforr u. a.) 1809 nach dem Vorbild der * Lukasgilden gegründet wurde. Die Vereinigung österreichischer und deutscher Maler wird allgemein der * Romantik zugerechnet. Die Maler wählten den Evangelisten Lukas zu ihrem Schutzpatron, weil auch er gemalt haben soll (* Lukasbilder) und der Heilige auch ihrem Empfinden einer sittlich-religiösen Lebensführung entsprach. Die Nazarener protestierten gegen althergebrachte starre Kompositionsprinzipien und die Art der Ausbildung an den * Akademien, die einem sich frei entfaltenden Schaffensdrang kaum Platz bot.

An den Akademien war es früher üblich, dass die jungen Künstler am Beginn ihrer Laufbahn Gipsabgüsse von * Antiken sowie * Kupferstiche von Werken alter Meister abzeichnen mussten und keine Möglichkeit hatten, ihre eigenen Vorstellungen zu verwirklichen. Die Nazarener strebten die Erneuerung der Kunst unter Einbeziehung von Leben, d. h. der Natur an und sprachen sich für das Studium an Originalwerken aus. Da sie nach ihrem Ausscheiden aus der Akademie im deutschsprachigen Raum kaum Aufträge erhielten, zogen F. Pforr, F. Overbeck, J. K. Hottinger und L. Vogel 1810 nach Rom, wo sie sich an Originalen der Antike weiterbildeten. Sie wurden deshalb auch * Deutschrömer genannt.

Durch Vermittlung des Direktors der römischen Akademie, der Franzose war, ließen sie sich in mönchischer Abgeschiedenheit in den Zellen des leerstehenden säkularisierten Klosters Sant' Isidoro am Monte Pincio in Rom nieder. Zu der Zeit entstand die Bezeichnung "Nazarener" für die sittenstreng lebenden Lukasbrüder, weil sie langes, in der Mitte gescheiteltes Haar trugen, "alla nazarena" (auf Nazarenerart). Während die Bezeichnung für diese Haartracht in Italien schon im 17. Jh. üblich war, bürgerte sich das Wort in Deutschland erst gegen 1817 in Verbindung mit der Künstlervereinigung ein. Daran war möglicherweise auch J. W. v. Goethe durch die Korrespondenz mit seinem Kunstfreund, dem Schriftsteller und Maler Heinrich Meyer, beteiligt, in der auch die Nazarener Erwähnung fanden.

In enger Beziehung zu der Künstlergruppe stand u. a. auch der in Rom verheiratete deutsche Maler Eberhard Georg Friedrich von Wächter. Die Nazarener, die in Rom vor allem ihre Freskotechnik vervollkommnet hatten, bekamen zahlreiche Aufträge. Sie bemalten u. a. die Casa Zuccaro des preußischen Generalkonsuls Bartholdy mit Fresken und arbeiteten für Fürst Camillo Massimo. Zu den in Rom lebenden Lukasbrüdern zählten neben den schon genannten Künstlern u. a. noch P. v. Cornelius, W. v. Schadow, J. Schnorr und die Brüder Veit.

Lit. 2): K. ANDREWS, The Nazarenes, A Broderhood of German Painters in Rome, Oxford 1964; J. C. JENSEN, I Nazareni, Das Wort, der Stil. Kat. Klassizismus und Romantik in Dtl., Nürnberg 1966; K. ANDREWS, Die N., München 1974; H. SCHINDLER, N. Romantischer Geist u. christl. Kunst im 19. Jh., Regensburg 1982; K. ANDREWS, Die N. von J. Führich bis zu F. Overbeck, Herrsching 1988; G. JANSEN, Die N.bewegung im Kontext der kath. Restauration, Diss. Essen 1992.


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