Neoromanik , Neuromanik, Stilrichtung des * Historismus. Im deutschsprachigen Raum im 19. Jh. oft "Teutscher Styl" oder, wie die * Romanik, "Rundbogenstyl" genannt.
In der Architektur war die Neoromanik mit ihrer wuchtigen, auf die Romanik zurückgreifenden Formensprache vor allem von ca. 1815-1840 beliebt, beeinflusst durch die * Romantik (Ritterromantik, Burgenromantik) und oft vermischt mit gotischen, byzantinischen sowie auch erfundenen Stilelementen. Weitgehend an der Romanik orientierten sich F. Nebel und K. F. Schinkel in der Architektur. Besonders verbunden mit der Neoromanik fühlte man sich in den Rheinlanden, um durch die Hervorkehrung der alten Tradition die Autonomiebestrebungen gegenüber Preußen zu dokumentieren.
Beeinflusst wurde die Neoromanik auch von dem romantisch veranlagten König Ludwig II., der 1869 nach Plänen von Ch. Jank und E. Riedel die Burg Neuschwanstein bauen ließ, sowie von Kaiser Wilhelm II., der in der Neoromanik eine Auffrischung salisch-staufischer Herrscherarchitektur sah. Bei Kirchenbauten orientierte man sich an der Monumentalität romanischer Gotteshäuser, deren Höhepunkte die Kaiserdome bilden. Nach dem vielbeachteten Bau der Dresdener Synagoge 1838-40 durch G. Semper wurde die Neoromanik zu einem Gattungsstil im Synagogenbau Europas.
E. MEZGER, Formenlehre zur Rundbogenarchitektur mit Anwendung auf den Verband von Gewölbe und Eisenconstruction, München 1851; A. MANN, Die N. Eine rhein. Komponente im Historismus des 19. Jh., Köln 1966; M. BRINGMANN, Studien zur neurom. Architektur in Dtl., Diss. Heidelberg 1968; E. BADSTÜBNER, Historismus und Denkmalpflege. Anmerkungen zur Romanikrezeption nach 1890, in: Materialien zur Wiss. Konferenz zur "Problematik des Historismus in der Kunstentwicklung des 19. Jh.", Wernigerode 1981.
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