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Das grosse Kunstlexikon von P.W. Hartmann

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Netsuke , von japanisch ne, "Wurzelholz", und tsuke, "aufhängen",

Bezeichnung für kleine geschnitzte Objekte der japanischen Gebrauchskunst. Der Name Netsuke weist darauf hin, dass die geschnitzten Kleinplastiken anfänglich meist aus Wurzelholz gefertigt wurden. In ihrer eigentlichen Funktion, als "Sicherungsknebel", finden sie nur mehr selten Verwendung, sie sind aber nach wie vor bei Sammlern sehr begehrt. Ursprünglich sollten sie verhindern, dass die durch den Obi (den breiten japanischen Gürtel) geschlauften Schnüre oder Kordeln unbeabsichtigt herausrutschten und die daran hängenden Gegenstände in Verlust gerieten. Der heute nur mehr von besonders traditionsbewussten Japanern oder bei festlichen Anlässen getragene * Kimono war bis ca. 1945 in Japan bei Frauen und Männern die allgemein gebräuchliche Kleidung. Er hat keine Taschen, und die mitgeführten * Sagemono wurden deshalb am Gürtel hängend getragen. Die Netsuke haben im Allgemeinen zwei Löcher, die so genannten * Himotoshi, zum Durchziehen der Befestigungsschnur.

Während Netsuke anfänglich meist aus Wurzelholz geschnitzt waren, wurden sie später aus den verschiedensten Materialien hergestellt, vor allem aus Elfenbein. Ihre angenehm glatte Beschaffenheit und die rundlichen Formen verleiten zum Angreifen, weshalb Netsuke im deutschen Sprachraum früher oft als "Handschmeichler" bezeichnet wurden. Ihrer Gebrauchsfunktion entsprechend, sind alte Netsuke im Allgemeinen massiv ausgeführt und nehmen auch dann keinen Schaden, wenn man sich versehentlich auf sie setzt. Von dem * Manju-Typus abgesehen, weisen Netsuke deshalb auch keine zarten * Durchbruchsschnitzereien auf. Um die Kompaktheit nicht zu verringern, wurden feine Details nicht geschnitzt, sondern geritzt und eingefärbt. Als Netsuke angebotene japanische Elfenbeeinschnitzereien aus dünnem, durchbrochen und kantig ausgeführtem Material stammen meist aus dem 20. Jh. Sie haben mit dem ursprünglichen Verwendungszweck nichts mehr zu tun und werden ausschließlich als Sammlerstücke hergestellt. Im Gegensatz zur europäischen * Kleinkunst sind Netsuke meist mit dem Namenszug oder dem Werkstattzeichen des Schnitzers versehen, außer sie wurden im Auftrag eines Kunden oder für das Kaiserhaus gefertigt. Bei frühen Exemplaren sind Signaturen seltener als bei jüngeren Stücken. Angaben über die Zahl der namentlich erfassten "netsukeshi", so die japanische Bezeichnung für die Netsuke-Schnitzer, variieren sehr stark. Es wird von über 3000 gesprochen.

Manche Netsukeschnitzer haben im Laufe ihres Lebens mit unterschiedlichen Künstlernamen signiert. Anderseits war es Schülern erlaubt, besonders gelungene Arbeiten mit dem Namen ihres Meisters zu versehen, um diesen damit zu ehren. Häufige Netsuke-Motive sind: * Ashinaga und Tenaga (Langbein und Langarm); * Benten (Glücksgott); Bishamon (Glücksgott); Chikkõ-Netsuke (Bambusgeflecht); Daikoku (Glücksgott); Dõsei-Harigane (Netsuke aus geflochtenem Kupferdraht); * Ebisu (Glücksgott); Fukurokuju (Glücksgott); I (Eber); Gama (Kröte); Ginsei-Harigane (Netsuke aus geflochtenem Silberdraht); Hako (Dosen-Netsuke); Hitsuji (Widder); * Hotei (Glücksgott); * Hyottoko (Maske); Inu (Hund); * Junishi (Tierkreis); Jurõjin (Glücksgott); Kagami-Buta (Spiegel-Netsuke); * Karashishi (Löwenhund); * Manju (Rund-Netsuke); Mi (Schlange); Ne (Ratte); * Oni (Teufel); Saishiki (bemaltes Netsuke); * Sambiki-zaru (Drei Affen); Saru (Affe); * Sennin (frommer Mann, Einsiedler); * Shichi fukujin (sieben Glücksgötter); Shinchu-Harigane (Netsuke aus Messingdraht); * Shõki (Teufelsaustreiber); Suigara-ake (Aschenbecher-Netsuke); * Takarabune (Glücksschiff); Take (Tintenfisch); Tatsu (Drache); Tenaga (Langarm, gemeinsam dargestellt mit Ashinaga); Tora (Tiger); Tori (Hahn); U - Usagi (Hase); Uma (Pferd); Ushi (Ochse). Besonders bei Netsuke ist umfangreiches Fachwissen erforderlich, um Fälschungen zu erkennen. Verlass ist deshalb vor allem auf den spezialisierten Kunsthandel und auf seriöse Auktionshäuser.

A. E. BROCKHAUS, N. Versuch einer Gesch. der japan. Schnitzkunst, Leipzig 1909; M. R. TOLLNER, N. The Life and Legend of Japan in Miniature, San Francisco 1954; H. G. BUNKE, N. Japan. Kleinplastik, Braunschweig 1959; A. H. GRUNDY, Notable N., in: The Antique Collector, Dez. 1959; R. WOLF, Die Welt der N., Wiesbaden 1970; C. ROOSEVELT, N. A Bibliography, Washington D. C. 1973; R. BARKER, L. SMITH, N. The Miniature Sculpture of Japan, London 1976; O. H. NOETZEL, N. Gesch., Meister, Motive, Bern 1981; N. K. DAVEY, N. A comprehensive study based on the M. T. Hindson Coll., London 1982; W. ZACKEN, Welten auf einem Knebel: japan. N., Wien 1984; N. u. Inro aus Japan, 4. Ausst. Gal. Zacke, Kat. Wien 1985; K. M. SCHWARZ, N.: japan. Elfenbeinfiguren des 18. u. 19. Jh., Wien, Köln, Graz 1986; V. HARRIS, N. The Hull Grundy Coll. in the British Mus., London 1987; W. ZACKEN, Japan. N.: 17., 18. u. 19. Jh. Marcel Lorber 1900-86, aus seinem Nachlaß, 3. Teil, Kat., Wien 1988; Japan. N. von Meistern: aus den Slg. Guggenheim, Harding, Lorber u. a., Kat., Wien 1989; W. ZACKEN, Japan. N., Okimono, Sagemono, Kat., Wien 1990; K. M. SCHWARZ, N. Subjects. A Study on the N. Themes with Reference to their Interpretation and Symbolism, Wien, Köln, Weimar 1992.


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