Neue Sachlichkeit , nach dem 1. Weltkrieg (1918) in Deutschland aufgekommene Kunstrichtung.
Die gegen Abstraktion (* Expressionismus, * Kubismus und * Futurismus) gerichtete Neue Sachlichkeit verfolgte das Ziel, die Realität möglichst wirklichkeitsgetreu wiederzugeben. Der Name Neue Sachlichkeit wurde 1923 erstmals vom Direktor der Mannheimer Kunsthalle Georg Friedrich Hartlaub verwendet. Die dargestellten Gegenstände sind in überzeichneter Realität, ohne Licht- und Schattenwirkung, in scharf abgegrenzten Formen in den Raum gestellt. Sie scheinen gleichsam zu schweben und vermitteln einen mystischen, magischen Eindruck. F. Roh nannte die Malweise 1924 deshalb auch "Magischen Realismus".
Eine umfassende Präsentation solcher Bilder erfolgte erstmals 1925 in der Mannheimer Kunsthalle unter dem Titel "Neue Sachlichkeit". Von den Vertretern der Neuen Sachlichkeit wurden vor allem Otto Dix und George Grosz für ihre sozial- und gesellschaftskritischen Bildthemen bekannt. Im Stil der Neuen Sachlichkeit arbeiteten auch C. Grossberg, A. Kanoldt (seine Facettierungen waren noch dem * Kubismus verbunden), sowie F. Lenk, O. Nerlinger, F. Radziwill, C. Schad, G. Scholz, G. Schrimpf und E. Thomas. Objekte und Personen sind realistisch, manchmal karikierend überspitzt und oft in verfremdetem Zusammenhang wiedergegeben.
W. SCHMIED, Neue Sachlichkeit und Magischer Realismus in Dtl. 1918-1933, 2. Aufl., Hannover 1976; F. SCHMALENBACH, Die Malerei der N., Berlin 1973; N. u. Realismus. Kunst zwischen den Kriegen, Kat., Wien 1977; G. VIERHUFT, Die N. Malerei u. Fotografie, Köln 1980; A. C. OELLER, Ikonograph. Untersuchungen zur Bildnismalerei der N., Mayen 1983; M. ANGERMEYER-DEUBNER, N. u. Verismus in Karlsruhe, Diss. Heidelberg 1986, Karlsruhe 1988; G. MATT, Das Menschenbild der N., Diss. Saarbrücken 1989; J. HÜLSEWIG-JOHNEN, N. Magischer Realismus, Kat., Bielefeld 1990/91; PRESLER, Glanz und Elend der 20er Jahre. Die Malerei der N., Köln 1992; S. MICHALSKI, N. Malerei, Graphik und Photographie in Dtl. 1919-1933, Köln 1992.
|