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Das grosse Kunstlexikon von P.W. Hartmann

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Neuer Realismus , französisch Nouveau Réalisme, Sammelbegriff für eine Kunstströmung der 1960er und frühen 70er Jahre, deren Exponenten sich u. a. an den Werken M. Duchamps orientierten und die vom * Combine Painting und vom * Dadaismus beeinflusst wurden.

Da es sich in gewisser Hinsicht um eine * Restauration des Dada-Gedankengutes handelte, wird im Zusammenhang mit dem Neuen Realismus oft von * Neodada gesprochen. Die Neuen Realisten verzichteten häufig darauf zu malen, sondern tendierten zur Objektkunst und huldigten zum Teil einer so genannten Antikunst-Einstellung. Als Spiel mit Gegenständen, bisweilen in Form eines * Happenings, verwendeten sie Objekte (Abfallprodukte) und gestalteten u. a. * Assemblagen und Akkumulationen. Ihre Vorstellungen richteten sich gegen abstrakte Darstellungsweisen wie den * Expressionismus.

Ein Manifest der den Neuen Realismus vertretenden Künstlergruppe wurde im April 1960 in Mailand veröffentlicht (weitere Manifeste 1961 und 1963). In Verbindung mit dem Nouveau Réalisme traten vor allem in Paris der Kritiker P. Restany (er gilt als Initiator des Neuer Realismus) und die Maler Arman (mit Assemblagen), D. Spoerri (mit Fallenbildern), César (mit Autowrack-Skulpturen), J. Tinguely (mit malenden oder sich selbst zerstörenden Maschinen), Y. Klein (mit Abklatschen von mit Farbe bestrichenen Modellen) sowie M. Raysse und später auch Christo in Erscheinung.

Eine der beim Neuen Realismus verwendeten Techniken sind die so genannten Plakatabrisse, die meist mit dem Terminus * Affiches Lacérées bezeichnet werden. Zum Neuen Realismus gehört u. a. der vor allem in Nordamerika verbreitete * Fotorealismus (Photorealismus), dem z. B. die Werke der Maler R. Artschwager, J. C. Clarke, C. Close, R. Goings, H. Kanovitz, M. Morley und B. Schonzeit zugeordnet werden. Sie verwendeten oft Fotos als Vorlage und zeigten die Oberflächlichkeit der heutigen Konsumgesellschaft auf. Eine spezielle Richtung des Neuen Realismus bildet ferner der "Kritische Realismus". Der Stil der dieser Richtung angehörenden Künstler ist überzeichnet pointiert bis sarkastisch.

Im Sinn der kritischen Realisten gestaltete Werke stammen u. a. von H. J. Diehl, A. D. Gorella, W. Petrick und P. Sorge. Die Bilder sind in Anlehnung an den Dadaismus oft als Assemblagen und Akkumulationen ausgeführt. Vgl. * Neodada. Die Akkumulationen bestehen oft aus * Ready mades, aus bereits vorhandenen, "gefundenen" Gegenständen, auch * Objets trouvés genannt, und weiters zählen zum Neuen Realismus die als * Fallenbilder bezeichneten Objektmontagen. Sehr expressiv wirken im Geist des Neuen Realismus hergestellte * Plastiken. Es handelt sich vielfach um Abgüsse, die lebensecht bemalt, mit Perücken versehen und bekleidet sind. Den dargestellten Personen wurden die verschiedensten Gebrauchsgegenstände beigefügt, z. B. Einkaufstaschen usw. Bekannte Vertreter dieser Kunstform sind J. de Andrea, D. Hanson u. a. Es wurde nicht nur auf die Gestaltung Wert gelegt, sondern auch auf die Auswahl der die Realität widerspiegelnden Gegenstände. Restany sprach sich für eine quantitative statt qualitative Expression aus, d. h. für die Anhäufung ähnlicher Objekte, wie sie etwa im Inventarstil des "Nouveau roman" üblich ist. Dem Neuer Realismus verbunden waren ferner G. Deschamps, F. Dufrêne, R. Hains, N. de St. Phalle, M. Rotella und J. de la Villeglé.

R. RESTANY, Le Nouveau Réalisme, Paris 1968; P. RESTANY, L'avantgarde au XXe siècle, Paris 1969; Amerikan. Fotorealismus, Kat. Württembergischer Kunstverein, Stuttgart 1972/73; Relativierender Realismus, Kat., Eindhoven 1972; P. SAGER, Neue Formen des Realismus, Köln 1973; Image Reality and Super Reality, Kat., London 1974; Pop Art, Assemblage and Europe's New Realism, in: H. H. Arnason, History of Modern Art, New York 1986.


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