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Das grosse Kunstlexikon von P.W. Hartmann

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Originalgraphik Den Begriff Originalgraphik kannte man schon in der 2. Hälfte 19. Jh., eindeutig definiert wurde er aber erst im 20. Jh. Nach W. Koschatzky gibt es mehrere Möglichkeiten der Begriffsbestimmung:

1. Wenn die Idee für das Kunstwerk sowie die Druckform für die Vervielfältigung auf druckgraphischem Wege (Druckstock, Platte, lithographische Zeichnung) von ein und demselben Künstler stammen und der Künstler auch selbst die in der Anzahl limitierten Blätter druckt und signiert (* Peintre-graveur).

2. Die Druckform wird vom Künstler selbst hergestellt, der Auflagendruck dagegen von einem professionellen Drucker, wobei der Künstler den Druck überwacht und die Anzahl der Blätter limitiert.

3. Die vom Künstler hergestellte Druckform wird zur Herstellung des Auflagendrucks an einen Drucker geschickt und die Blätter nach Fertigstellung vom Künstler signiert und limitiert.

4. Eine auf Umdruckpapier hergestellte Zeichung wird vom Künstler der Druckerei übergeben und davon eine Lithographie hergestellt. Durch die Künstler-Signatur und die Limitierung spricht man auch da noch von einer Originalgraphik. Wenn die Idee, d. h. das Original, nicht vom Hersteller der Druckform stammt, wird nicht von einer Originalgraphik gesprochen (* Reproduktionsstecher).

Vom Comité National de la Gravure Française wurden 1964 die Kriterien für die Originalgraphik wie folgt definiert:

"Als originalgraphische Radierungen, Stiche und Lithographien sind solche anzusehen, deren Abzüge in Schwarz oder farbig von einer oder mehreren Platten zur Gänze von der Hand eines und desselben Künstlers geschaffen und ausgeführt wurden ... unter Ausschluß aller mechanischen oder photomechanischen Verfahren."

Horst Locher erklärt in seinem Buch "Das Recht in der bildenden Kunst" (München 1970) zum Urheberrecht in der Bundesrepublik Deutschland: "Besondere Schwierigkeiten macht die Bestimmung des Begriffs Original im Bereich der bild. Kunst - der Begriff der Originalgraphik ist im Hinblick auf die modernen Vervielfältigungstechniken fließend geworden (...) Originalgraphik liegt dann nicht mehr vor, wenn sich zwischen der künstlerischen Niederschrift und dem gedruckten Ergebnis mechanische, meist photomechanische Zwischenstationen einschieben (...) Daran ändert sich auch nichts, wenn der Künstler zustimmt.

Bei jeder Abbildung auf photomechanischem Wege oder bei Übertragung durch die Hand eines Dritten (z. B. Mourlots Chagall-Gouachen) liegt auch dann kein Original vor, wenn sie vom Urheber signiert sind (...) Die Signatur, die manche Künstler freizügig auf photomechanischen Vervielfältigungen anbringen, ist von Bedeutung für die Urheberschaft, nicht jedoch für die Eigenschaft als Original." Eine Präzisierung erfolgt in Punkt 16 des Kommentars zum Urheberrechtsgesetz (zit. nach F. K. Fromm, J. Nordemann, Stuttgart 1970, S. 141): "Lithographien, Radierungen, Kupferstiche u. a. Werke der * Druckgraphik sind dann als Original anzusehen, wenn nicht nur der Entwurf, sondern auch die Druckplatte vom Künstler selbst stammt, und er den Abdruck entweder selbst vornimmt oder unter seiner Aufsicht vornehmen läßt."

K. GRAAK, O. Analyse eines umstrittenen Begriffes, Sigill. Blätter f. Buch u. Kunst, 2. Folge 4, Hamburg 1974; L. LANG, Was ist heute O.?, in: Bildende Kunst 8, 1976; Original, Kopie, Paraphrase, Kat. Wien 1980; C. VOGEL, Zeitgenöss. Druckgraphik. Künstler, Techniken, Einschätzungen, München 1982; R. MAYER, Gedruckte Kunst. Wesen, Wirkung, Wandel, Dresden 1984; W. KOSCHATZKY, Die Kunst der Graphik, 10. Auflage, München 1988.


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