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Das grosse Kunstlexikon von P.W. Hartmann

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Orpheus , Sohn der Muse * Kalliope und des thrakischen Königs Oiagros (oder des * Apollon).

Orpheus galt als von den Göttern begnadeter Sänger und Leier-Spieler. Sein unnachahmliches Spiel scharte wilde und zahme Tiere friedlich um ihn, und selbst die Blätter der Bäume hörten zu rauschen auf, um seine Weisen nicht zu stören. Nach dem Tod seiner geliebten Gemahlin, der Baumnymphe * Eurydike - sie starb auf der Flucht vor * Aristaios an einem Schlangenbiss - fiel Orpheus in tiefe Trauer. Schließlich machte er sich auf den Weg, um Eurydike aus dem Totenreich zurückzuholen.

Orpheus spielte so schön, dass ihn der Fährmann * Charon und der Höllenhund * Kerberos ins Totenreich einließen. Auch * Hades, der Herrscher der Unterwelt, und dessen Gemahlin * Persephone waren von seiner Musik bezaubert und versprachen, Eurydike freizugeben. Sie stellten nur die eine Bedingung, Orpheus dürfe sich auf seinem Weg zur Oberwelt nicht umwenden. Kurz bevor er das Reich der Schatten hinter sich ließ, verstieß Orpheus gegen das Verbot. Aus Sorge, seine Frau könne ihm auf dem beschwerlichen Weg nach oben nicht folgen, blickte Orpheus kurz zurück, worauf Eurydike für immer entschwand.

Seine Trauer um die Geliebte war so groß, dass Orpheus keine andere Frau mehr ansah und sich der Männerliebe zuwandte. Zur Strafe dafür soll er von thrakischen Frauen oder * Mänaden zerrissen worden sein. Sie verschonten nur seinen Kopf und die * Leier, die zur Insel Lesbos trieben und von den Musen begraben wurden, weshalb dort die Lyrik zu hoher Blüte gelangte. Im 6. Jh. v. Chr. entstand in Griechenland eine Geheimlehre, die Orphik, die mit Orpheus bzw. seiner Musik sowie dem Dionysos-Kult in Zusammenhang gebracht wurde.

F. M. SCHÖLLER, Darstellungen des Orpheus in der Antike, Diss. Freiburg i. Br. 1969; D. M. KOSINSKY, The image of Orpheus in symbolist art and literature, New York 1985.


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