Stücksuche:
Bitte mind. 2 Zeichen eingeben. Weitere Suchmöglichkeiten »

Das grosse Kunstlexikon von P.W. Hartmann

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z
Nutzen Sie die Funktion der VOLLTEXTSUCHE, indem Sie Worte oder Wortteile in das Suchfeld eingeben. Das Kunstlexikon beschreibt ca. 10.000 Begriffe, hat 5,5 Mio Zeichen ( Druckausgabe: 1663 Seiten). Die Begriffe verweisen insgesamt auf ca. 35.000 Quellen.  
 Volltextsuche: nur in der Begriffsliste suchen

Ottonische Kunst , der Frühromanik angehörende deutsche Kunst von 919-1024 unter der Regierungszeit der Ottonen, der Könige und Kaiser der sächsischen Dynastie, und der ersten Salier.

Die Epoche wurde früher auch als Ottonik bezeichnet. Sie bildet die erste Stufe der romanischen Kunst Deutschlands. Nach dem Tod Karls d. Gr. zerfiel das fränkische Reich in einen westfränkischen Teil, aus dem Frankreich hervorging, und in das ostfränkische Gebiet, aus dem später Deutschland entstand. Der erste "deutsche" Herrscher war der 919 zum ostfränkischen König gekrönte Heinrich I. aus dem Stamm der Sachsen, Vater König Ottos I. d. Gr. Unter den Ottonen und Saliern erlangte das deutsche. Reich die Vormachtstellung in Europa, ausgehend von Otto I. und dem Salier Konrad dem Roten, der Liudgard, die Tochter Ottos I., geehelicht hatte.

Die Künstler rückten von der unter Karl d. Gr. üblichen spätantiken Tradition ab, und es begann die eigentliche deutsche Kunst mit Sachsen als Mittelpunkt. Abgeleitet vom germanischen Volksstamm der Teutonen, wurde 919 in einer lateinischen Schrift das neu erstandene Reich der Deutschen erstmals "regnum teutonicorum" genannt. Otto I. (dt. König seit 936, Kaiser seit 962) gliederte den Episkopat (Gesamtheit der Bischöfe) in die Reichsverwaltung ein. Ausdruck der ottonischen Reichsbischofsverfassung sind die Domburgen und Pfalzburgen mit angeschlossenem Dom oder Stift. Durch die so geschaffene Einheit politischer und religiöser Ziele konnte sich ein gleichgesinntes Mäzenatentum entwickeln.

Die politischen und kulturellen Zentren waren die Bischofs- und Pfalzstädte, in denen die Gilden und Zünfte über die Qualität der ausgeführten handwerklichen und kunsthandwerklichen Arbeiten wachten. Höhepunkte der Bildenden Kunst sind die Miniaturmalereien der * Reichenauer Schule (Perikopenbuch Heinrichs II., Evangeliar Ottos III.), frühromanische Bronzearbeiten wie z. B. die im Auftrag des Bischofs Bernward für St. Michael in Hildesheim geschaffenen fünf Meter hohen Bronzetüren und zahlreiche Elfenbeinreliefs. Bekannt davon sind vor allem die quadratischen so genannten Magdeburger Tafeln, mit einer Seitenlänge von etwas mehr als 10 cm. Goldschmidt beschreibt 16 von ihnen und äußert die Ansicht, dass sie möglicherweise zu einem im Dom zu Magdeburg befindlichen * Antependium gehörten, das wahrscheinlich Otto I. dem von ihm gegründeten Dom gestiftet hatte und das bei einem der Dombrände (1008 oder 1049) bis auf die Elfenbeintafeln zerstört wurde.

Heute weiß man, dass die so genannte Magdeburger Gruppe aus zumindest 18 Tafeln bestand die möglicherweise zu einem Reliquiar gehörten. Goldschmidt hat sowohl Ähnlichkeiten der Magdeburger Tafeln mit der Reichenauer Schule festgestellt als auch stilistische Gleichartigkeiten mit Arbeiten, die vermutlich in Mailand entstanden. In der otton. Schnitzkunst ist oft eine Vernachlässigung des extrem plastischen naturalistischen Reliefstils erkennbar, wie er für die karolingischen Arbeiten kennzeichnend ist. Es bestand eine Neigung zu einer vereinfachten, sehr geradlinigen Gestaltungsweise. Mehrmals wurde versucht, die otton. Elfenbeinarbeiten in Stilgruppen einzuteilen. Da es aber wahrscheinlich keine so großen Schnitzzentren gab wie in den Palastschulen der Karolinger und die überlieferten Informationen spärlich sind, wurden die Zuordnungen auf Vermutungen aufgebaut und widersprechen einander häufig.

Als Beispiele für die ottonische Baukunst gelten die basilikalen Dome, Kloster- und Stiftskirchen, etwa in Magdeburg (Baubeginn des Kaiserdomes 955), Regensburg und St. Emmeram. Die meisten ottonischen Kirchenbauten - kreuzförmige dreischiffige Querhausbasiliken mit Türmen zur Betonung des Kirchenportals - wurden später durch Neubauten ersetzt. Die ottonische wurde von der * salischen Kunst abgelöst.

A. GOLDSCHMIDT, Die Elfenbeinskulpturen aus der Zeit der karoling. u. sächs. Kaiser, VIII.-XI. Jh., Bd. II, Berlin 1918, Bd. IV, Berlin 1923; H. JANTZEN, O. München 1946; W. MESSERER, Otton. Buchmalerei um 970-1070 im Gebiet dt. Sprache, in: Zeitschr. für Kunstgesch. 26, 1963; T. BUDDENSIEG, Zur otton. Buchmalerei und Elfenbeinskulptur in Sachsen, in: Studien zur Buchmalerei und Goldschmiedekunst des MA, FS für K. H. Usener, Marburg 1967; U. MAMAT, Die Ordnung der Magdeburger Tafeln, in: Kunst in Hessen und am Mittelrhein, Schriften d. Hessischen Mus. 11, 1971, S. 33 ff.; L. GRODECKI u. a., Die Zeit der Ottonen und Salier, Stuttgart 1973; C. LITTLE, The Magdeburg Ivory Group: A Tenth Century New Testament Narrative Cycle, Diss. New York 1977; H. HOFFMANN, Buchkunst und Königtum im otton. und frühsal. Reich, Stuttgart 1986; R. LAUER, Studien zur otton. Mainzer Buchmalerei, Diss. Bonn 1987; M. SURMANN, Studien zur otton. Elfenbeinplastik in Metz u. Trier, Bonn, 1990; H. MAYR-HARTING, Otton. Buchmalerei, Stuttgart 1991.


<< Ottomanische Kunst Oudenaarde-Tapisserie >>


Vertiefen Sie Ihr Wissen über Kunst!
Testen Sie unseren Gratisservice Kunstbegriff des Tages. Auf Wunsch erhalten Sie täglich oder wöchentlich per E-Mail einen Begriff aus dem Kunstlexikon geschickt.
Mehr Informationen »

Das Kunstlexikon für das iPhone!
Sie können das Kunstlexikon auch in einer für das iPhone optimierten Version ansehen. Klicken Sie einfach auf den nachfolgenden Link.
Jetzt öffnen »

Schmuckwissen>>


Aktuelle Objekte:

Präge Litho ... >

Stephan Kaddick >



Aktuelle Objekte:

d – for daniel >

Die neue Stadt. >