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Das grosse Kunstlexikon von P.W. Hartmann

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Papyrus (griechisch papyros), Bezeichnung für die bis zu 5 m hohe schilfartige Papyrusstaude (Cyperus papyrus L.), die seit alters her zur Herstellung von Booten, Matten, Körben, Sandalen usw. verwendet wurde, später auch für das daraus gefertigte Schreibmaterial.

Als Schriftträger diente Papyrus erstmals in Ägypten. Bei den ältesten erhaltenen Papyri handelt es sich um Totenbücher aus dem 3. Jt. v. Chr. Der Gebrauch von Papyrus als Schreibmaterial war aber bereits früher bekannt, wie das schon im 4. Jt. bei den ägyptischen Hieroglyphen für die Papyrusrolle gebräuchliche eigene Schriftzeichen erkennen lässt. Bei der Herstellung der Papyrusrollen wurde das entrindete Mark der Stengel der Papyrusstaude in möglichst breite und lange dünne Streifen geschnitten, rechtwinkelig gitterförmig übereinandergelegt und gepresst oder gehämmert. Der dabei austretende stärkehaltige Pflanzensaft verband die kreuzweise verlaufenden Streifen ohne Klebstoff fest miteinander. Nach dem Trocknen und nach dem Glätten mittels Muscheln, Elfenbein oder dgl. entstand eine fast weiße, elastische zusammenrollbare Bahn. Papyrusrollen gehörten zu den wichtigsten Handelsartikeln des alten Ägypten. Einer der ältesten und besterhaltenen Papyri ist der 40 m lange so genannte "Große Papyrus Harris" von Pharao Ramses III.

Lange Zeit hatten die Ägypter das Monopol der Papyrusfertigung. Später stellten auch die Phönikier, Kanaaniter u. a. Volksstämme Papyri her. Besonders bekannt war der aus Syrakus/Sizilien stammende Papyrus, der bis ins 11. Jh. n. Chr. u. a. in den päpstlichen Schreibstuben Verwendung fand. Die Schreibflüssigkeit bestand ursprünglich meist aus mit Wasser vermengtem Ruß oder Ocker, später benutzte man daneben Metalltinten, vor allem in Griechenland auch * Sepiatinten aus dem Farbstoff des Tintenbeutels der Tintenfische.

Im 4. Jh. n. Chr. ersetzte in Europa das * Pergament den Papyrus zur Gänze. * Papier, benannt nach Papyrus, wurde in Europa erst ca. 1000 Jahre später gebräuchlich.

W. SCHUBART, Einführung in die Papyruskunde, Berlin 1918; A. GROHMANN, Einführung u. Chrestomathie zur arabischen Papyruskunde, Prag 1954; W. WEBER, Beiträge zur Kenntnis des Schrift- u. Buchwesens d. alten Ägypter, Diss. Köln 1969; M. HUSSEIN, Vom Papyrus zum Codex. Der Beitrag Ägyptens zur Buchkultur, Leipzig 1970; M. FACKELMANN, Die Restaurierung von Papyrus u. a. Schriftträgern aus Ägypten, Zutphen 1985.


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