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Das grosse Kunstlexikon von P.W. Hartmann

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Arts-and-Crafts-Bewegung , Arts and Crafts Movement, engl.,"Kunst- und Handwerks-Bewegung", in der zweiten Hälfte 19. Jh. von England ausgehende Reformbewegung.

Der Terminus basiert auf der seit 1888 in England sehr aktiven "Arts and Crafts Exhibition Society". Die Wurzeln reichen allerdings viel weiter zurück. Richtungweisend waren u. a. C. R. Ashbee, W. Crane und W. Morris. John Ruskin formulierte das Gedankengut der Arts-and-Crafts-Bewegung in seinem Buch "Stones of Venice" (1851-53). Er sprach sich darin für die Ethik der mittelalterlichen Handwerksgesellschaft aus und kritisierte das moderne Maschinenzeitalter. Stark beeinflusst von den Initiativen * W. Morris' entstand im letzten Drittel 19. Jh. in England eine Bewegung mit dem Ziel, der billigen industriellen Massenproduktion entgegenzuwirken. Die Gegenstände sollten auf kunsthandwerklicher Basis hergestellt werden, weil nur diese die materialgerechte und funktionale Nutzung optimal garantiere. Das Vorbild für die Arts-and-Crafts-Bewegung war die Gesinnung der im Mittelalter tätigen Kunsthandwerker, die großen Wert auf Gediegenheit ihrer Arbeit legten. 1884 gründeten W. Crane und L. F. Day unter maßgeblichem Einfluss von W. Morris die "Art Workers' Guild". 1886 entstand die von Ashbee initierte "School of Arts and Crafts", die für die vergleichbaren kontinentalen Strömungen Leitbildcharakter besaß. Seit 1893 wurde das Gedankengut der Arts-and-Crafts-Bewegung besonders durch die Zeitschrift "The Studio" verbreitet. Unter der Präsidentschaft W. Cranes veranstaltete die "Arts and Crafts Exhibition Society" von 1888 bis 1893 mehrere Ausstellungen über Kunsthandwerk, die sich epochemachend auf die Vereinfachung der Formensprache auswirkten. Von 1893-1896 führte dann W. Morris den Vorsitz. W. Crane sah es als seine Aufgabe an, die Künstler in Handwerker und die Handwerker in Künstler zu verwandeln. Von ihm stammt der bekannte Ausspruch: "Im Handwerk liegt die wahre Wurzel der Kunst." Unter seinem Einfluss verließen viele Handwerker die kapitalistische Industriegesellschaft. Sie zogen aufs Land, wo das Leben noch billiger war, und bildeten Interessengemeinschaften, die den alten * Gilden ähnlich waren. Auf der Suche nach einem neuen Stilausdruck schlossen sich die meisten Künstler in den 1890er Jahren dem * Art nouveau an. Die Einstellung der Arts-and-Crafts-Bewegung war auch nach der Wende 19./20. Jh. noch meinungsbildend, z. B. durch Aktivitäten des Architekten und Kunstschriftsteller H. Muthesius, eines der Mitbegründer des * Deutschen Werkbundes. Muthesius hatte lange Zeit in England gelebt und seine Eindrücke in mehreren Schriften veröffentlicht. Nach dem 1. Weltkrieg erschienen 1919 einschlägige Zeitschriften, wie "Handicrafts and Reconstruction" sowie kurz danach "Arts & Crafts Quarterly". Ab 1918 begann der * Art deco den Art nouveau abzulösen, und die Aktivitäten der Arts-and-Crafts-Bewegung verloren sukzessive an Bedeutung.

I. ANSCOMBE, C. GERE, Arts and Crafts in Britain and America, London 1978; L. LAMBOURNE, Utopian Craftsmen: The Arts and Crafts Movement from Cotswolds to Chicago, London 1980; F. McCARTHEY, The Simple Life. C. R. Ashbee in the Cotwolds, Los Angeles 1981; A. SCHLICKER, Theoretische Grundlagen der "Arts and Crafts" - zu den Schriften von A. W. N. Pugin, J. Ruskin, C. Dresser, W. R. Lethaby u. L. R. Ashbee, Diss. Bonn 1984.


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