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Das grosse Kunstlexikon von P.W. Hartmann
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Perücke , künstliche Haartracht aus Menschenhaar, früher auch aus Pferdemähnen von Fohlen, aus Schafwolle und Pflanzenfasern, heute häufig aus synthetischen Fasern hergestellt.
Während die Perücke heute meist als Haarersatz dient, war sie früher gewöhnlich modisches Beiwerk. Perücken gab es schon im alten Ägypten und im römischen Reich. Beliebt war vor allem bei den Römerinnen das blonde Haar germanischer Sklavinnen, das in textile Gewebe, aber auch in dünnes Leder eingeknüpft wurde. Während die Perücken im Mittelalter kaum von Bedeutung war, bürgerte sich ihre Verwendung im Manierismus wieder ein. Der französische König Ludwig XIII., der sehr schütteres Haar hatte, machte das Tragen von Perücken in Frankreich hoffähig.
Die Blütezeit der Perücken begann ca. 1670 unter dem französischen König Ludwig XIV. Die Perücke wurde damals zu einem Symbol der Adeligen ganz Europas (* Allongeperücke.). Während die Perücke bis etwa 1680, dem natürlichen Haar entsprechend, aus ungeordneten Wellen, Locken und Krausen bestand, war das Haar danach oft gescheitelt, vor allem aber in sorgsam geordnete Locken gelegt. Diese ähnlich einer Löwenmähne sehr ausladende Frisur hieß damals mit Scheitel Perruque à la Fontange à deux points und ohne Scheitel Perruque carrée oder "Binette" (Allongeperücke mit drei Lockenpartien).
Bei Frauen waren Perücken nicht üblich. Im 17. Jh. wurden, in Verbindung mit der * Fontange, gewöhnlich nur einzelne Haarteile verwendet. Im 18. Jh. wurden die mittlerweile waagrecht liegenden Locken der Perücke in drei Partien gegliedert und weiß gepudert. Nun trugen auch Beamte, Bürger, Soldaten sowie Kleriker (trotz Verbotes des Papstes) eine Perücke, und es wurde eine eigene Perückensteuer eingehoben. Während der hl. Messe nahmen die Priester die Perücke ab, damit die ausrasierte Stelle am Hinterhaupt (Tonsur) frei sichtbar war. Später verwendeten sie eigene Perücken, bei denen ein Teil abgenommen werden konnte, um die Tonsur frei zu lassen. Die Perruque à la brigadière genannte Perücke des Militärs bestand aus mehreren waagrecht gerollten Locken an den Schläfen und zwei mit einem Seidenband zusammengebundenen Spirallocken im Nacken.
Im Rokoko nahmen die Perücken im Umfang ab. Die Damen trugen im Rokoko eine hoch aufgetürmte Frisur (Hochfrisur), die aus dem eigenen Haar in Verbindung mit Haarteilen, Rosshaarkissen und einem Drahtgestell bestand, weniger häufig aus einer Perücke. Von etwa 1725-85 wurde das Nackenhaar der Männer in Frankreich meist in einem kleinen schwarzen Haarbeutel verstaut, Bourse ("Beutel", "Börse") oder Crapaud ("Kröte") genannt. In ihrer Gesamtheit hieß diese Haarbeutelfrisur, wie die Zopfperücke, Vergette ("Eisensprosse", "kleine Rute").
Im deutschen Sprachraum war die Zopfperücke in Mode, wobei es sich gewöhnlich nicht um einen geflochtenen Zopf handelte, sondern um eine Art gedrehten "Pferdeschwanz", der mit seidenen Bändern zusammengehalten und manchmal auch mit durchbohrten Bleikügelchen beschwert wurde. Gegen 1760 wurde der Zopf oft in der Hälfte umgeschlagen und das Haar mit einem Band hinaufgebunden, der "Zopf" somit nur halb so lang. Soldaten und fortschrittliche Bürgerliche trugen oft keine Perücke mehr, sondern ihr eigenes Haar, der Mode entsprechend, als Spirallocke. Der Haarmode nach heißt der Stil dieser Zeit * Zopfstil. Mit Ausnahme der Amtstracht von Richtern etc. kam das Tragen von Perücken bei Männern Ende 18. Jh. aus der Mode. Im Biedermeier verwendeten auch die Damen keine Perücke mehr, dafür aber sehr häufig Haarteile.
Die Frisur - Haarmode aus 4 Jt., Kat. Hamburg 1990; I. LOSCHEK, Reclams Mode- und Kostümlex., Stuttgart 1994.
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