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Das grosse Kunstlexikon von P.W. Hartmann

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Primitive Kunst , französisch "Art primitif", die ursprüngliche, von anderen Kulturen unbeeinflusste Kunst der Naturvölker Afrikas, Ozeaniens und der Ureinwohner Amerikas.

"Primitiv" drückt in dem Zusammenhang keine Abwertung aus; etymologisch bedeutet das Wort primitiv "uranfänglich". Anfang 20. Jh. ließen sich bekannte Künstler, unter ihnen P. Picasso, von der Primitiven Kunst inspirieren, vgl. * Kubismus. Die Künstler sprachen damals meist nicht von Plastiken sondern von Fetischen, da die Kunst der Naturvölker oft Übernatürliches, Beschwörendes an sich hat und man nicht wusste, dass beispielsweise auch die afrikanische Kunst ihre Meister, ihre Schulen und Stilrichtungen hat, wie das besonders Jean Laude aufzeigte.

1933 brachte die zwei Jahre zuvor von Paris gestartete ethnographische und linguistische Dakar-Djibuti-Expedition 3.500 ethnographische Objekte, 6.000 Fotografien und zahlreiche Tonträger nach Paris, die von der Zeitschrift Minotaure zum Teil beschrieben sowie abgebildet und so dem interessierten Publikum zugänglich gemacht wurden. Große Beachtung fand die 1984 im Museum of Modern Art in New York stattgefundene Ausstellung "Primitivism in Twentieth Century Art: Affinity of the Tribal and the Modern", bei der 200 Objekte (Masken, Skulpturen etc.) aus Afrika, Ozeanien und Nordamerika 150 Werken moderner Künstler (C. Brancusi, M. Ernst, P. Gauguin, G. Giacometti, P. Klee, H. Matisse, P. Picasso u. a.) gegenübergestellt wurden.

Die Ausstellung zeigte auf, dass sich viele so genannte moderne Künstler von der Primitiven Kunst der Naturvölker inspirieren ließen. (Von Laien aus unserem Kulturkreis hergestellte Kunstwerke werden gewöhnlich nicht als Primitive Kunst sondern mit den Termini * Naive Kunst sowie * Volkskunst in Verbindung gebracht.)

W. SCHMALENBACH, Die Kunst der Primitiven als Anregungsquelle f. die europ. Kunst bis 1900, Diss. Basel 1961; W. RUBIN u. a. Primitivismus, München 1984.


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