Rauchfass , lateinisch thuribulum, incensorium, Bezeichnung für eine Räuchereinrichtung.
Vom Altertum bis zum Spätmittelalter dienten meist deckellose * Becken als Rauchfass. Seit dem Mittelalter werden in der katholischen und orthodoxen * Liturgie zur Räucherung mit * Weihrauch im allgemeinen Rauchfässer verwendet, die aus einem Standfuß, einem Behälter als Kohlebecken und einem durchbrochenen Deckel bestehen. Die aus Kupfer oder Eisen gefertigten mittelalterlichen Rauchfässer sind oft in Gestalt eines Bauwerks mit Dächern und Türmchen ausgeführt.
Eines der wenigen silbernen Exemplare der Gotik befindet sich im Stift Seitenstetten. Die oft urnenförmigen Rauchfässer des Barocks bestehen für gewöhnlich aus Silber. Rauchfässer hängen üblicherweise an drei durch einen Ring verbundenen Kettchen, an dem meist noch ein viertes Kettchen zum Öffnen des durchbrochenen Deckels befestigt ist. Die Weihrauchkörner werden auf die im Inneren glosende Holzkohle gestreut, und der aufsteigende aromatische Rauch wird durch Schwenken des Ruchfasses verbreitet.
F. WITTE, Thuribulum und Navicula in ihrer geschichtl. Entwicklung, in: Zeitschr. für christl. Kunst 23, 1910; E. WAMERS, Ein Räuchergefäß aus dem Schnütgen Mus. Karoling. Renovatio und byzant. Kontinuität, in: Wallraf Richartz Jahrb. 44, 1983; St. KRENN, Mittelalterl. Kunstgewerbe, in: Seitenstetten, Kunst und Mönchtum an der Wiege Österr., Kat. 1988; H. WESTERMANN-ANGERHAUSEN, Typ, Stil und Datierung der 5 mittelalterl. Weihrauchfässer im Trierer Domschatz, Schatzkunst II, Forschungen und Ergebnisse (Hg. F. Ronig), Trier 1991.
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