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Das grosse Kunstlexikon von P.W. Hartmann

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Restaurationsstil (französisch Style de la restauration), von lateinisch restauratio, "Wiederherstellung", "Erneuerung",

Bezeichnung für den dem * Empire folgenden Kunststil. Der nach dem Sturz Napoleons I. mit der Wiedereinsetzung der Bourbonen 1815 beginnende Restaurationsstil währte bis zum Rücktritt König Karls X. nach der Julirevolution von 1830. (Von 1830-1848 herrschte dann der so genannte Bürgerkönig. Die Epoche wird nach ihm * Louis-Philippe-Stil genannt.) Während die französische Politik mit der Restauration die Wiederherstellung vorrevolutionärer Zustände anstrebte, blieb in der Kunst der Stil des antikisch-klassizistisch orientierten Empire bestehen, allerdings unter Vermeidung "Napoleonischer" Zierate.

Bei den wuchtigen, schweren Möbeln dominierten helle Hölzer und Farben. Besonders beliebte Motive waren Lyren, Schwäne und Blumen. Der von Napoleon bevorzugte Lorbeer(-Kranz) wurde durch Akanthus-Voluten ersetzt. Mit dem "Style de la restauration" wird oft die Duchesse (Herzogin) de Berry in Verbindung gebracht. Als wahrscheinlich bedeutendste Mäzenin des Restaurationsstils kultivierte die Herzogin, die sich oft in der idyllischen Elfenbeinstadt Dieppe an der Nordküste Frankreichs aufhielt, das vorrevolutionäre Stilempfinden. Durch die Verwendung zahlreicher Schnitzobjekte aus Elfenbein (Toilettentisch, Kerzenleuchter, Dekorvasen, Bonbonnieren etc.), wie im Verlassenschaftsinventar überliefert, stieg das Interesse an dem edlen Material allgemein stark an.

In der deutschen Geschichtsschreibung wird die Epoche vom Wiener Kongress 1814/15 bis zu den Revolutionen von 1830 und 1848 mit dem politischen Begriff der Restauration bezeichnet. Im Gegensatz zur Armut der Masse der Bevölkerung (Pauperismus) lebte das Bürgertum im Wohlstand. Es verfügte über die nötigen Mittel, um Häuser und Wohnungen in noch nie dagewesenem behaglich-bürgerlichem Stil einzurichten. Im deutschen Sprachraum wird die Zeit von 1815-1848 * Biedermeier genannt.

A. MILET, Ivoires et Ivoiriers de Dieppe, Paris 1906; K. LANKHEIT, Revolution und R., Baden-Baden 1964.


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