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Das grosse Kunstlexikon von P.W. Hartmann

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Retabel , Altarretabel, das, von lateinisch retro, "hinter", "rückwärts", und tabula, "Brett",

Bezeichnung für den seit dem 11./12. Jh. üblichen Altaraufsatz. Er diente vornehmlich als Blickfang und manchmal auch zur Aufbewahrung von * Reliquien. Entstanden ist das Retabel durch Hinaufziehen der Rückwand (* Dorsale) des * Stipes und der * Mensa oder durch Hinzufügen eines separaten Sockels als Basis für das Retabel. Ausgelöst wurde die Entwicklung des in die Höhe strebenden plastisch gestalteten oder bemalten Altaraufsatzes als Blickfang durch eine Änderung der Liturgie im 11. Jh. Nach der neuen Ordnung stand der Priester nicht mehr hinter dem niederen, opfersteinähnlichen * Altar und schaute in Richtung der Gemeinde, sondern er zelebrierte die Messe vor dem Altar stehend und wendete den Gläubigen die meiste Zeit seinen Rücken zu. Anfänglich ersetzte oft auch ein Wand- oder Mosaikbild das Altarretabel.

Die ältesten erhaltenen Retabeln stammen aus dem 12. Jh., u. a. das 1160 entstandene Stuckretabel im Dom von Erfurt. Im 14. Jh. entwickelte sich aus dem Retabel der * Flügelaltar. In der Renaissance waren diese Wandelaltäre dann nicht mehr üblich und wurden wieder vom Retabel abgelöst. Seit der Spätrenaissance bedeckt das * Altarblatt fast das gesamte Retabel. Bei Verwendung eines * Epitaphs als Retabel spricht man von einem Epitaphaltar.

A. KNOEPFLI, Der Altarretabel des 18. Jh., München 1978; A. SEIFERT, Westfälische Altarretabel, Diss. München, Bonn 1983; R. MÖLLER, Das Stuckr. im Dom zu Erfurt, in: Beiträge zur Erhaltung von Kunstwerken 3, 1987.


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