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Das grosse Kunstlexikon von P.W. Hartmann

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Ring

1) Schmuckreifen. Ringe können je nach Kulturkreis und dem persönlichen Schmuckbedürfnis sowie der Mode an Armen, Fingern, Fesseln der Beine, in den Ohrläppchen (* Kreolen), um den Hals oder im Intimbereich getragen werden. Ring bestehen meist aus * Edelmetall, können aber auch aus anderen Materialien (Elfenbein, Bernstein, Gagat und Jade etc.) gefertigt sein.

Der Reifen des meist nur als Ring bezeichneten Fingerringes wird im allgemeinen "Schiene" genannt. An sie schließt meist die "Schulter" an, als Verbindung zum * Ringkopf oder der * Ringplatte. Der Fingerring ist nicht nur Zierde, sondern kann auch als Erkennungszeichen dienen, etwa der Wappenring. Die in manchen Ländern von Absolventen höherer Lehranstalten getragenen Institutsringe werden meist Collegering genannt. Als Zeichen der Würde gelten die Ringe hoher Kleriker, z. B. Probstring, Abtring, Bischofsring und der als * Fischerring bezeichnete Amtsring des Papstes.

Als Zeichen versprochener Treue gelten Verlobungsring und Ehering (vgl. * Vena amoris). Der von Ordensschwestern getragene Ring symbolisiert das Verlöbnis mit * Christus. Nach dem Verwendungszweck unterscheidet man ferner Freundschaftsring, Kultring, Siegelring, Trauerring usw., wobei Freundschafts- und Trauerring vor allem im 19. Jh. getragen wurden. Manche Ringbezeichnungen leiten sich von der Art des Ringkopfes bzw. des Steinschliffes ab, z. B. * Cabochon-, * Marquisen-, * Solitärring. usw. Eine Sammlung von Fingerring, * Gemmen und * Kameen wird * Daktyliothek genannt.

2) Name einer 1923/24 entstandenen Architektenvereinigung. Die anfänglich als "Zehnerring" bezeichnete Gruppe hatte das Neue Bauen zum Ziel und zählte 1926 knapp 30 Mitglieder, u. a. O. Bartning, W. Gropius, H. Häring, L. Hilberseimer, B. u. M. Taut und L. Mies van d. Rohe, dessen Atelier der Gruppe oft für Zusammenkünfte diente. Ziele der Gruppe, wie Engagement für den fortschrittlichen Wohnbau, wurden u. a. 1926 und 1927 in der "Bauwelt" veröffentlicht. Mitglieder des Ringes standen auch in enger Verbindung mit dem * Deutschen Werkbund und publizierten u. a. in dessen Zeitschrift "Die Form", etwa H. Häring (Die Form, H. 1, 1925). Der Ring bestand bis 1933.

Lit. 1): A. WARD, J. CHERRY, C. GERE, B. CARTLIDGE, Der Ring im Wandel der Zeit, Erlangen 1987 (Originaltitel: Rings through the Ages).

Lit. 2): K. JUNGHANNS, B. Taut 1880-1938, Berlin 1970; H. HÜTER, Architektur u. Städtebau (Hg. H. Olbrich), Gesch. d. dt. Kunst 1918-45, Leipzig 1990.


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