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Das grosse Kunstlexikon von P.W. Hartmann

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Roentgen, David
, David Roentgen (geb. 1743, Herrnhaag/Wetterau; gest. 1807, Wiesbaden), Sohn Abraham Roentgens, in dessen Werkstatt in Neuwied er mit 14 Jahren seine Laufbahn als Lehrling begann.

Nach der Gesellenprüfung arbeitete Roentgen im Zuge der * Wanderschaft einige Jahre in der * Herrnhuter Brüdergemeinde in Niesky, bevor er 1761 wieder in die väterliche Werkstatt eintrat, die er dann 1772 übernahm. David Roentgen gilt als erfolgreichster deutscher Kunsttischler des 18. Jh. Abgesehen von den äußerst schönen * Marketerien, die zum Teil von J. M. Rummer und H. Streuli stammten, wurden seine Möbel vor allem der raffiniert angelegten Geheimfächer und der ausgeklügelten technischen Einrichtungen wegen geschätzt. Sie ermöglichten es beispielsweise, einen Spieltisch mit einem Handgriff in einen Nähtisch zu verwandeln.

Die Entwürfe und Vorrichtungen für die technische Ausführung dieser aufwendigen "Mechanischen Möbel" sowie die manchmal eingebauten Spielwerke stammten meist von dem "Mechanicus", Uhrmacher und Erfinder Peter Kinzing, mit dem Roentgen seit 1771/72 eng zusammenarbeitete. Stilistisch sind die Möbel Roentgens bis ca. 1775 dem Rokoko zuzuordnen und danach dem Frühklassizismus des Louis-seize. Ab 1780 verschwand der aus prächtigen Marketerien bestehende Dekor weitgehend und wurde, der damaligen französischen Mode entsprechend, durch einen aufwendig gestalteten Zierat in Form vergoldeter Bronzebeschläge abgelöst.

Den Anfang für die Verbindung Roentgens zu europäischen Herrscherhöfen bildete 1770 der Ankauf eines Prunktisches durch Friedrich II. von Preußen, dem noch zahlreiche weitere Aufträge des Monarchen folgten. Im Anschluss an einen Parisaufenthalt im Jahr 1774 erhielt Roentgen auch Aufträge von Ludwig XVI. und Marie-Antoinette. Ab 1779 verfügte Roentgen über eine Verkaufsniederlassung in der Rue Grenelle in Paris und ging mit dem Pariser Ebenisten Frost eine Partnerschaft ein. Der französische König war von den Kreationen Roentgens so angetan, dass er ihn zum "Ébéniste-méchanicien du Roi et de la Reine" (Königlicher Kunsttischler für mechanische Möbel) ernannte.

Für einen Schreibschrank (* Sekretär) soll Ludwig XVI. den enormen Betrag von fast 100.000 Livres bezahlt haben. Da die mechanischen Spielereien Roentgens konkurrenzlos waren, übertrafen seine Einnahmen sogar den für seine hohen Preise bekannten Kunsttischler Jean-Henri * Riesener. Es heißt, dass allein die Einnahmen Roentgens vom französischen Hof in einem Jahrzehnt 1 Mill. Livres betrugen. Seit 1783 belieferte Roentgen auch den Hof Katharinas II. in St. Petersburg mit seinen Prunkmöbeln. 1791 erfolgte die Gründung einer Tochterwerkstatt unter D. Hacker in Berlin. Die Prosperität der Werkstatt Roentgens endete mit der Französischen Revolution (1789-99) und den dadurch ausgelösten, von verschiedenen Koalitionen europäischer Mächte gegen das revolutionäre und Napoleonische Frankreich geführten vier so genannten Koalitionskriegen.

A. FEULNER, Frühwerke von D. R., in: Münchener Jahrb., NF 1, 1924; J. M. GREBER, Meisterintarsien von D. R. aus dem kurfürstl. Schloßinventar in Trier, in: Trierer Jahrb. 1951; F. WINDISCH-GRAETZ, Möbel von D. R., in: Alte und moderne Kunst 8, 1963; G. HIMMELHEBER, Beobachtungen an unbekannten R.möbeln, in: Jahrb. der Staatl. Kunstslg. in Baden-Württemberg 1, 1964; M. STÜRMER, Die R.-Manufaktur. Markt, Technik und Innovation im 18. Jh., in: Maltechnik Restauro 4, 1979; J. M. GREBER, Abraham u. David R. Möbel für Europa, Starnberg 1980; W. F. SCHMIDT u. a., Kinzing u. R. Uhren aus Neuwied. Leben u. Werk der Uhrenmacherfamilien Kinzing u. der Kunstschreiner A. u. D. R., Bad Neustadt 1984; A. u. D. R. Möbel aus der Neuwieder Manufaktur, Kat. Neuwied 1986; D. FABIAN u. a., R.möbel aus Neuwied. Leben u. Werk von A. u. D. R., Bad Neustadt 1986; B. MUNDT, Ein Zylinderbureau von D. R., Berlin 1989; Möbel von A. u. D. R., Neuwied 1990.


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