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Das grosse Kunstlexikon von P.W. Hartmann

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Romanik , von französisch l'art roman, "römische Kunst",

Der Name bezieht sich auf die an die altrömische Bauweise erinnernden Säulen- und Bogenformen der Romanik. Der Begriff Romanik entstand erst um 1825. Er wurde vom französischen Kunsthistoriker de Gerville und auch von dem deutschen Kunstsammler Sulpiz Boisserée (1783-1854) geprägt, beides Liebhaber mittelalterlicher Kunst. Vorher waren im deutschen Sprachraum die Namen altdeutscher, byzantinischer, neugriechischer und vorgotischer Stil gebräuchlich. Romanik ist Bezeichnung für die, von ca. 950-1250 währende, der Karolingischen Kunst folgende mittelalterliche Kunstepoche Europas, mit Ausnahme der unter maurischer Herrschaft stehenden Gebiete Spaniens.

In der * Ile de France wurde die Romanik bereits gegen 1150 von der * Gotik abgelöst, im übrigen Europa erst etwa 100 Jahre später. Auf deutschem Boden gab es drei Phasen der Romanik, benannt nach den jeweiligen Herrscherhäusern:

1. Frühromanik (950-1050) mit der auf das Gebiet der Sachsenkaiser beschränkten * ottonischen Kunst;

2. Hochromanik (1050-1150) oder * salische Kunst;

3. Spätromanik (1150-1250), die im deutschen Raum oft als * staufische Kunst bezeichnet wird.

Im 10. Jahrhundert begann sich in Deutschland, Frankreich und in der Lombardei in der Architektur die Wölbung durchzusetzen, zuerst meist als * Kreuzgratgewölbe, später als * Kreuzrippengewölbe und in Frankreich auch als Tonnengewölbe. Der romanische Baustil ist wuchtig und massiv, zylindrische Formen und mächtige * Rundbogen dominieren. Erhalten haben sich fast nur Kirchen und profane Repräsentationsbauten, z. B. das Rathaus von Gelnhausen. Privathäuser, wie das um 1180 entstandene zweigeschossige Haus in Saalfeld, in dem sich heute die Stadtapotheke befindet, sind selten, da Wohnhäuser zu der Zeit in der Regel nur aus Holz bestanden.

In Deutschland sind von den Sakralbauten besonders die in Form vieltürmiger Gruppenbauten angelegten Dome erwähnenswert, die als schmückendes Beiwerk oft schöne Ornamentfriese und wuchtige figürlich verzierte Portale aufweisen. Charakteristisch ist weiters, dass oft großräumige Krypten angelegt sind (Hallenkrypten als Grablege). Diese Kirchenbauten wurden vornehmlich in den Pfalzen als Bischofskirchen mit imperialem Anrecht errichtet. Als erster dieser Dome entstand der mächtige viertürmige Kaiserdom von Speyer. Er diente den salischen und staufischen Herrschern als Begräbnisstätte. Monumentale romanische Dome entstanden ferner in Worms, Mainz und Bamberg.

Erstmals seit der Antike kamen in der 2. Hälfte 11. Jh. wieder mit der Architektur verbundene großplastische Steinfiguren als Zierelemente in Mode. Es handelt sich dabei in der Regel um Darstellungen von Jesus, Maria oder von Heiligen. Verglichen mit der nachfolgenden Gotik, wirken die Figuren statisch, starr und streng im Ausdruck. Berühmt ist das um 1000 entstandene so genannte Gero-Kruzifix in Köln. Die meisten erhalten gebliebenen romanischen Wandmalereien findet man in Italien, wo auch das Mosaik eine große Rolle spielte. Eindrucksvolle Beispiele der romanischen Buchmalerei stellen die so genannten * Riesenbibeln dar. In der Glasmalerei waren vor allem französischer Glaskünstler führend (St. Denis, Chorfenster; Chartres, W-Fenster). Von den Werken der * Kleinkunst auf uns gekommen sind u. a. schöne aus Elfenbein geschnitzte Reliefs (ottonische Kunst). Vollrunde Elfenbeinfiguren wurden erst in der Gotik üblich. Zu den Meisterleistungen der romanischen Goldschmiedekunst zählen * Reliquiare aus dem Rhein-Maas-Gebiet. Erhalten haben sich auch einige romanische Möbel (Bänke, * Faltstühle und * Truhen).

P. FRANKL, Die frühmittelalterl. und roman. Baukunst, Potsdam 1926; J. GANTNER, Roman. Plastik. Inhalt und Form in der Kunst des 11. und 12. Jh., Wien 1948; L. TERMEHR, Roman. Baukunst. Beiträge zur Geistesgesch. des Stilbegriffes, Diss. Bonn 1950; A. GRABAR, C. NORDENFALK, Die roman. Malerei vom 11.-13. Jh., Genf 1958; K. J. CONANT, Carolingian and romanesque architecture, Harmondsworth 1959; H. E. KUBACH, P. BLOCH, Früh- und Hochr., Baden-Baden 1964; W. MESSERER, Roman. Plastik in Frankreich, Köln 1964; J. PICHARD, Die Malerei der R., Lausanne 1966; Vorroman. Kirchenbauten, Kat., München 1966; O. DEMUS, Roman. Wandmalerei, München 1968; B. RUPPRECHT, Roman. Skulptur in Frankreich, München 1975; K. M. SWOBODA u. a., Die Epoche d. R. Gesch. d. bild. Kunst, Bd. 1, München, Wien 1976; M. SCHAPIRO, Romanesque Art, London 1977; G. ZARNECKI, R., München 1978; R. BUDDE, Dt. roman. Skulptur. 1050-1250, München 1979; H. BUSCH, B. LOHSE, Baukunst der R. in Europa, Olten 1981; A. LEGNER, Dt. Kunst der R., München 1982; M. DURLIAT, Roman. Kunst, Freiburg 1983; H. E. KUBACH, R., Stuttgart 1986; B. SCHÜTZ, W. MÜLLER, Dt. R. Die Kirchenbauten der Kaiser, Bischöfe und Klöster, Freiburg 1989; D. v. WINTERFELD, Die Kaiserdome Speyer, Mainz, Worms und ihr roman. Umfeld, Würzburg 1993.


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