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Das grosse Kunstlexikon von P.W. Hartmann

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Rosenkranz

1. Katholische Gebetsfolge, die im wesentlichen aus Wiederholungen der Gebete * Ave-Maria (lateinisch, "Gegrüßet seist du, Maria") und * Paternoster (lateinisch, "Vater unser") besteht, wobei als Zählhilfe eine Gebetsschnur Verwendung findet, die gleichfalls Rosenkranz genannt wird.

2. Bezeichnung für diese Gebetsschnur; alte Ausdrücke dafür sind Paternoster, "Beten" und "Rosengart". Der Rosenkranz heißt deshalb auch Paternoster, weil das Gebet Paternoster (lateinisch "Vater unser") das erste den Christen allgemein bekannte Gebet war und schon im Frühmittelalter als besondere Frömmigkeitsübung in Form der Gebetswiederholung gebetet wurde. Als Zählhilfe diente bereits damals eine Gebetsschnur, die, gleich wie die Gebete, Paternoster genannt wurde. Im Laufe der Zeit waren verschiedene Gebetsschnüre in Verwendung, d. h. die Anzahl der Perlen (Kugeln) variierte. Durch die gesteigerte Marienverehrung des Hochmittelalter wurde die Gebetsform der Aneinanderreihung von Gebeten vom Paternoster auf das Gebet Ave-Maria (lateinisch "Gegrüßet seist du, Maria") ausgeweitet. Die Gepflogenheit, zu Ehren Marias fünfmal zehn Ave-Maria zu beten, wobei jeder Zehnerblock mit einem Paternoster-Gebet beginnt und einem "Ehre-sei-dem-Vater-Gebet" schließt, wird dem Karthäuser Heinrich (Egher) von Kalkar (1328-1408) zugeschrieben. Die dafür neu entwickelten Gebetsschnüre wurden aber weiterhin Paternoster genannt.

Der Name Rosenkranz setzte sich erst im Zuge der Gegenreformation im 17. Jh. durch. Neben dem Rosenkranz mit Perlen (Kugeln) kamen auch Exemplare in Mode, bei denen an einem Lederriemen angenähte Hornringe Verwendung finden. Drechsler, die auf die Herstellung von Rosenkranzperlen und Rosenkranzringen spezialisiert waren, wurden Paternoster- oder Betenmacher genannt. Wie es heißt, war es Maria selbst, die den hl. Dominikus in einer Vision die richtige Handhabung des Rosenkranz lehrte. Es gibt viele Bilder, auf denen die Gottesmutter dem Heiligen einen Rosenkranz überreicht (* Rosenkranzbild). Die Dominikus-Legende wurde vom bretonischen Dominikaner Alanus de Rupe (1428-1475) verbreitet und von Papst Leo X. in mehreren * Bullen bestätigt. Großen Anteil an der Einführung des Rosenkranzes hatten die zahlreichen Rosenkranzbruderschaften, deren erste 1470 in der nordfranzösischen Stadt Douais gegründet wurde. Die sich rasch in ganz Europa ausbreitenden Rosenkranzbruderschaften waren die Folge der seit dem ersten Auftreten der * Pest 1347 sprunghaft gestiegenen Marienverehrung.

Es gab früher mehrere Ausführungen von Rosenkränzen (verschiedene Kugelanzahl) wobei die gebräuchlichste Form 1475 von dem Dominikaner Jakob Sprenger festgelegt wurde. Am Beginn befindet sich das so genannte * Kredokreuz, gefolgt von einer Paternoster-Perle (-Kugel) und drei Ave-Perlen (-Kugeln), die an einem Kranz von fünfmal zehn Ave-Perlen angeschlossen sind. Zwischen jeweils zehn Ave-Perlen ist immer eine Paternoster-Perle eingesetzt (insgesamt fünf Stück). Zur Unterscheidung der Ave-Perlen von den Paternoster-Perlen sind letztere größer bzw. aufwendiger oder überhaupt anders gestaltet, oder aber sie weisen zu den Ave-Perlen einen größeren Abstand auf. Als Material für die Rosenkranzperlen dient u. a. Bernstein, Elfenbein, Glas, Gold, Holz, Horn, Jet oder Koralle. Bei Verwendung der Gebetsschnur fängt man beim Kredokreuz (von lateinisch credo, "ich glaube") an, und betet das Glaubensbekenntnis, das mit den Worten: "Ich glaube an Gott ..." beginnt. Danach wird bei Erreichen jeder Paternoster-Perle ein Paternoster-Gebet und bei jeder Ave-Perle ein Ave-Maria-Gebet gebetet. Eingebunden sind auch insgesamt 15 Betrachtungen zum Leben Jesu, je fünf freudenreiche (aus der Kindheit Jesu), fünf schmerzhafte (Passion) und fünf glorreiche (Auferstehung). Eine früher vor allem von Männern bevorzugte Art des Rosenkranzes war der so genannte * Zehner, auch "Mannsbeten" genannt. Vgl. Rosenkranzring.

J. HAU, Der R. in Vergangenheit und Jetztzeit, Trier 1938; W. KIRFEL, Der R. Ursprung und Ausbreitung, Bonn 1947; G. RITZ, Die christl. Gebetsschnur, Diss. München 1955; G. RITZ, Der R., Formen und Funktion, in: Bayerisches Jahrb. für Volkskunde 1960; G. RITZ, Der R., München 1962; 500 Jahre R., 1475-1975, Kunst und Frömmigkeit im SpätMA und ihr Weiterleben, Ausstellungskat. Köln, Diözesanmus., Köln 1975, S. 51-101; K. J. KLINCKHAMMER, Die Kartause und die Entstehung des R., in: Cisterzienser-Chronik 1, 1980; B. STEINER, Andacht und Anschauung, Zur Ikonographie des R., in: Jahrb. des Vereins für christl. Kunst XIV, München 1984; A. ADAM, R. BERGER, Pastoralliturgisches Handlexikon, Freiburg 1994; A. HARTMANN, Der R. als frommes Brauchgerät und Heilmittel des Volkes, in: Kirchengesch. u. Volksfrömmigkeit, Hg. W. Pöltzl (Der Landkreis Augsburg, Bd. 5), Augsburg 1994.


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