Rubinglas
1) rotes Glas. Das Verfahren, der Glasmasse Metalloxide bzw. Kupferchloride beizumengen und eine Rotfärbung durch Wiedererhitzen des Glases zu erzielen, wurde schon in der Antike und dann wieder im Mittelalter angewendet. Schriftliche Rezepturen zur Herstellung von rotem Glas sind aus den Jahren 1556 von G. Agricola ("De re metallica...") und 1612 von Antonio Neri ("L'arte vitraria ...") erhalten. Die Abhandlung des Italieners Neri wurde von * Kunckel übersetzt und kommentiert. Überliefert ist ferner, dass der Hamburger Arzt A. Cassius 1676 ein Verfahren entwickelte, mit Goldpurpur, so genanntes Cassius-Gold, Glas rot zu färben. Dieser Technik soll sich auch Kunckel bedient haben, der 1678 vom Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg mit der Leitung der Potsdamer Glashütte beauftragt worden war und für die Herstellung von Rubinglas berühmt wurde. Das Rot entstand durch Hitze, als Anlauffarbe des der Glasmasse beigemengten * Pudergoldes, daher auch der Name * Goldrubingläser. Zum Unterschied von den durch Kupferchloride etc. gefärbten Gläsern (* Kupferrubinglas) weisen die Goldrubingläser ein viel leuchtenderes Rot auf. Sie werden noch heute ihrer schönen roten Farbe wegen geschätzt und sind zuweilen auch in Gold gefasst (Fuß- und * Trinkrand). Wird der Glasmasse Silberstaub beigemengt, entsteht Glas mit einer Gelbfärbung. Vgl. * Silberglas.
2) Rote * Überfanggläser werden gleichfalls Rubinglas genannt.
J. K. NÜTZEL, Ars vitraria experimentalis oder Die vollkommene Glasmacher-Kunst, Frankfurt/M., Leipzig 1679, Nürnberg 1756, Faksimile d. Erstausgabe hg. v. W. Fetzer, o. O. 1975; SCHULZE, Chem. Untersuchungen an Fundstücken aus dem Glaslaboratorium des J. Kunckel, in: Ausgrabungen in Berlin 3, 1973; W. SPIEGL, Magie u. Geheimnis des R. im 17. bis 19. Jh., in: Weltkunst, H. 20, 21, 1988.
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