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Das grosse Kunstlexikon von P.W. Hartmann

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Salon , französisch, "Gesellschaftsraum",

1) großer repräsentativer Empfangsraum in einem Privathaus.

2) Im Paris des 17. Jh. Bezeichnung für gesellschaftliche Empfänge von Damen der Gesellschaft bzw. für die dort etablierten literarischen, künstlerischen, aber auch politischen Zirkel. Diese Salons waren beliebte Treffpunkte des Adels, der Intellektuellen und der Künstler. Es galt als Privileg, dem Salon von Madame * Récamier, M. de Scudéry, Marquise de Sevigné u.s.w. anzugehören. Dichter, die in einen der bekannten Salon aufgenommen wurden, und Künstler, die dort ihre Werke ausstellen durften, konnten der Anerkennung durch die Pariser Gesellschaft sicher sein.

3) Die französische Bezeichnung "Salon" für eine offizielle Kunstausstellung geht auf ein Privileg der französischen * Akademie der Bildenden Künste aus dem Jahr 1663 zurück. König Ludwig XIV. (1638-1715) gestattete den Mitgliedern der königlichen Akademie im "S. carré" des Louvre auszustellen. Seit 1667 fanden dann Kunst-Präsentationen alle zwei Jahre und später alljährlich im "Salon d'Apollon" im Louvre statt. Da sie stets im Frühjahr abgehalten wurden, bürgerte sich für sie die Bezeichnung "Salon de Mai" ein. Im Salon durften nur Werke präsentiert werden, die eine Jury zuließ, d. h. die dem offiziellen Stilempfinden entsprachen. Seit 1848 wurden die Ausstellungen dann im Grand Palais in Paris abgehalten. Obwohl nach der Revolution von 1848 der Salon auch Künstlern zugänglich war, die nicht der Akademie angehörten, wurde die Auswahl weiterhin von den Mitgliedern der Akademie getroffen. Da diese nur konventionelle Werke akzeptierten, erwirkten die abgewiesenen Künstler 1863 die Erlaubnis Kaiser Napoleons III., separat ausstellen zu dürfen. Im neu gegründeten "Salon des Refusés" (Salon der Abgewiesenen) stellten u. a. die Maler E. Boudin, P. Cézanne, E. Manet und C. Pissarro aus.

1881 wurde die Leitung des Salons offiziell der Société des Artistes Français (Gesellschaft französischer Künstler) übertragen. Das Komitee bestand aus 90 gewählten Künstlern, deren Werke in früheren Salonen präsentiert worden waren. Die von der Akademie nicht akzeptierten unabhängigen Künstler schufen mit dem "Salon des Indépendantes" (Salon der Unabhängigen) 1884 eine Alternative zum offiziellen "Salon de Mai". Zu den Gründungsmitgliedern zählten G. Seurat, P. Signac und Cross (eigentl. Henri Edmond Delacroix). In Ermangelung einer eigenen Jury vergab der "Salon des Indépendantes" weder Auszeichnungen noch Preise. Unstimmigkeiten im offiziellen Salon 1889, im Jahr der in Paris abgehaltenen * Weltausstellung, führten zur Abspaltung von Künstlern, die in der neugegründeten "Société Nationale des Beaux-Arts" nun ihrerseits jährliche Kunstausstellungen veranstalteten. Von der Akademie unabhängig war auch der vom Pariser Architekten Francis Jourdain 1903 auf Vereinsbasis gegründete "Salon d'Automne" (Herbst-Salon), wo u. a. die Fauvisten (1905) und Kubisten (1910) ihre Arbeiten präsentierten (* Fauvismus). Neben den "Arts Majeurs", den so genannten "hohen Künsten", waren auch Arbeiten von Architekten (Modelle), Bildhauern und Kunsthandwerkern zu sehen. Der 1949 gegründete "Salon de la Jeune Peinture" (Salon der jungen Malkunst) bietet jungen Künstlern die Möglichkeit, ihre Werke zu präsentieren. Im Rahmen dieser Ausstellungen wird jährlich der "Prix de Jeunes Peintres" (Preis der jungen Maler) verliehen. Abgeleitet von den Pariser Salonen, wurde der Name auch auf andere Bereiche übertragen (Autosalon).

A. BOIME, The S. des Refusés and the Evolution of Modern Art, in: The Art Quarterly, 1969; N. TEEUWISSE, Vom S. zur Sezession, Berlin 1986; DuMont's Chronik d. Kunst im 20. Jh., 1990.


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