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Das grosse Kunstlexikon von P.W. Hartmann

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Schmerzensmann , Mann der Schmerzen, deutsch für den seit dem 12. Jh. bekannten byzantinischen Bildtypus Imago pietatis, "Bild des Mitleidens".

Andere Bezeichnungen für den Schmerzensmann sind Erbärmdechristus, Erbärmdebild, Not Gottes, Barmherzigkeit, Miserikordienbild und Misericordia Domini.

Der Christus-Bildtypus wird in der byzantinischen Kunst oft als * Halb- oder * Dreiviertelfigur mit vor der Brust verschränkten Armen wiedergegeben. Das Haupt ist nach vorn oder seitlich geneigt, die Augen sind manchmal geschlossen. Für Schmerzensmann-Darstellungen ist charakteristisch, dass außer * Dornenkrone und Geißelspuren auch die Wundmale der * Kreuzigung und die Seitenwunde sichtbar sind. In der byzantinischen Kunst wird der Schmerzensmann oft im Sarkophag aufrecht stehend, bisweilen auch nur als Halbfigur sichtbar, dargestellt. Die ältesten byzantinischen Beispiele stammen aus dem 12. Jh. und befinden sich in Jerusalem (Schatz d. Hl. Grabes) und in Moskau (Historisches Museum).

Der byzantinische Bildtypus soll sich von dem so genannten "Gregorianischen Schmerzensmann" ableiten, einem wahrscheinlich unter Papst Gregor (gest. 604) entstandenen Tafelbild, das auch für die Entstehung der * Gregorsmesse ausschlaggebend gewesen sein soll. In der westlichen Tradition ist der Typ des Schmerzensmannes in * Malerei und * Plastik seit dem frühen 14. Jh. bekannt, wobei Christus als Inbegriff des Passionsgeschehens meist ganzfigurig, mit offenen Augen und allen Wundmalen wiedergegeben ist.

Erbärmdechristus, der gleichfalls sehr gebräuchliche Name für diese als * Andachtsbild konzipierte Christus-Darstellung, leitet sich davon ab, dass Jesus in seiner Not gleichsam um Erbarmen zu flehen scheint. Der Bildtypus ist anachronistisch, da der noch lebende Heiland neben den Wundmalen der Kreuzigung auch schon die Lanzenstichwunde aufweist. Der leidende Ausdruck impliziert, dass es sich um eine Darstellung vor der Auferstehung handelt. Die abendländische Kunst kennt verschiedene Ausführungen des Schmerzensmann-Typs. Die Arme können verschränkt sein oder mit dem Zeigegestus auf die Seitenwunde weisen. Manchmal hält Jesus einen Kelch, um das aus der Seitenwunde fließende Blut aufzufangen.

In der italienischen Kunst sind bei Darstellungen des Schmerzensmann manchmal Maria und Johannes wie bei der Kreuzigung als * Assistenzfiguren beigefügt. Sie verharren in stiller Verehrung oder halten die Hände des Schmerzensmanns. Seit Mitte 16. Jh. wird die Darstellung des Schmerzensmannes von den Motiven * Ecce homo und * Christus in der Rast abgelöst. Manchmal werden auch diese beiden Motive umgangssprachlich als Schmerzensmann-Darstellungen bezeichnet.

W. MERSMANN, Der S., Düsseldorf 1925; H. SCHRADE, Beiträge zur Erklärung des S.bildes, in: FS f. Friedrich Panzer, Heidelberg 1930, S. 164 ff.; G. v. OSTEN, Der S., Diss. Berlin 1935; R. BERLINER, Bemerkungen zu einigen Darstellungen des Erlösers als S., in: Das Münster 9, 1956; H. MEURER, Christus im Leiden. Kruzifixe, Passionsdarstellungen aus 800 Jahren, Kat., Stuttgart 1986.


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