Schreinfigur , Klappfigur, Bezeichnung für aus Holz oder Elfenbein geschnitzte * Statuetten, deren Vorderseite wie die Doppeltür eines Kastens geöffnet werden kann.
Im Inneren befinden sich als * Hochrelief ausgeführte Szenen, die für gewöhnlich auf die als Schreinfigur gestaltete Person Bezug nehmen. Bei Frauenfiguren dient das Kleid meist unterhalb der Taille als Schrein und lässt sich in Form zweier Flügeltüren öffnen. Gleiches gilt für Figuren hoher Kleriker (Bischöfe). Bei Gestaltungen von Männern, die enganliegende * Beinlinge als Hose trugen, wie z. B. der mit Vorliebe dargestellte englische König Heinrich VIII. (1491-1547), ist der Oberkörper als * Schrein ausgebildet. Die in Frankreich seit dem 13. Jh. bekannten aufklappbaren Madonnenfiguren (Schreinmadonnen oder "Vierge ouvrantes") waren vermutlich die ersten Klappfiguren. Im Inneren sind meist Szenen aus der Heilsgeschichte und dem Marienleben wiedergegeben. Bedingt durch die * Pest, erfreute sich seit dem 14. Jh. der Typ der * Schutzmantelmadonna als Schreinfigur besonderer Beliebtheit. Die meisten der heute erhaltenen Schreinfiguren stammen aus dem Historismus.
J. M. RITZ, S., in: FS f. J. Meier, Berlin, Leipzig 1934.
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