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Das grosse Kunstlexikon von P.W. Hartmann

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Seele (griechisch psyche, lateinisch anima),

1) das körperlich nicht fassbare, lebensspendende und -erhaltende Prinzip des Menschen. Nach den Lehren vieler Religionen verlässt die Seele nach dem Tod eines Menschen den Körper als Geistwesen. Antike Darstellungen zeigen die Seele für gewöhnlich in Gestalt eines kleinen Vogels oder Schmetterlings (neugriechisch psyche, heißt auch "Schmetterling"). In der altchristlichen Kunst wird die Seele als stark verkleinerte Menschengestalt oder als Kind wiedergegeben. Sie besitzt entweder kleine Flügel, um zum Himmel zu gelangen, oder wird von Engeln getragen. Bei anderen Darstellungen wird die Seele von einem Engel oder einem Teufel aus dem Mund des Verstorbenen gezogen. Ein bekanntes Beispiel für letzteren Gestaltungstyp sind der gute und der böse * Schächer auf dem um 1350 entstandenen Tafelbild mit der * Golgatha-Szene in der Predigerkirche in Erfurt. Bei Darstellungen des * Jüngsten Gerichts liegen die Seelen oft auf Waagschalen, wobei die guten bzw. bösen Taten während der Lebenszeit den Ausschlag geben. Häufig sehr drastisch dargestellt sind Dämonen der Hölle, die auf die armen Seelen warten, bei denen die bösen Taten überwiegen.

2) Ein im Inneren mancher * Kantillen befindlicher Faden, Draht oder * Lahn.

3) Bezeichnung für die * Bleiruten, die bei * Glasmalereien die Hauptumrisslinien bilden.

P. ASSION, Von den abgeschiedenen Seelen. Kirchenlehre u. Volksglaube in der spätmittelalterl. Fegefeuer- u. Geisterliteratur, in: Geist u. Zeit. Wirkungen des MA in Lit. u. Sprache, in: FS f. Roswitha Wisniewsk zu ihrem 65. Geburtstag, Frankfurt/M., Bern, New York, Paris 1991, S. 225-275.


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