Sezession, Secession , von lateinisch secessio, "Trennung", "Abspaltung",
Bezeichnung für die Loslösung von einer größeren (Künstler-)Gemeinschaft, besonders für die Separierung von Künstlergruppen mit * avantgardistisch progressiven Zielen. Der in Paris 1884 gegründete * Salon des Indépendants, dessen Mitglieder sich gegen die Zwänge und starren Richtlinien der * Akademie wandten, war das Vorbild für nachfolgende Sezessionsbewegungen.
Die erste als Sezession bezeichnete Künstlervereinigung war 1892 die Münchner Sezession. Zu ihren Gründungsmitgliedern zählten u. a. F. von Stuck, W. Trübner und F. von Uhde. (Aus der Münchner Sezession gingen 1901 die "Phalanx" und 1909 die * Neue Künstlervereinigung hervor.) Der Münchner Sezession folgte 1897 die Wiener Sezession ("Vereinigung bildender Künstler Österreichs Secession"), wobei sich deren Mitglieder so sehr für den * Jugendstil engagierten, dass diese Kunstrichtung von Zeitgenossen der Künstler bisweilen "Sezessionsstil" genannt wurde.
Bekannte Vertreter der Wiener Sezession waren G. Klimt, Kolo(man) Moser und Josef Maria Olbrich, der 1897-99 das Gebäude der Wiener Secession erbaute. (Die der Wiener Sezession angehörenden Architekten setzten sich u. a. eingehend mit den Werken von Charles Rennie * Mackintosh auseinander, dem Begründer der * Schule von Glasgow. Mackintosh war auf dem europäischen Kontinent durch Ausstellungen seiner Arbeiten fast populärer als in England.) Ausgehend von der 1892 von W. Leistikow und M. Liebermann gegründeten "Gruppe der Elf" und der 1893 etablierten "Freien Künstlervereinigung", entstand 1899 die "Berliner Secession", deren Präsident bis 1911 Liebermann war. Von ihr spaltete sich 1910 die "Neue Secession" ab und 1914 die "Freie Secession". Auch in anderen Städten, wie in Darmstadt (ab 1919), Dresden (1919-23) und Leipzig, bestanden als Secession bezeichnete Künstlergruppen.
H. BAHR, S., Wien 1900; Secession, Europ. Kunst um die Jh.wende, Kat., München 1964; R. WEISSENBERGER, Die Wiener S. Eine Dokumentation, Wien, München 1971; R. PFEFFERKORN, Die Berliner S. Eine Epoche dt. Kunstgesch., Berlin 1972; W. DOEDE, Die Berliner S. Berlin als Zentrum der dt. Kunst von der Jh.wende bis zum 1. Weltkrieg, Frankfurt/M., Berlin 1977; Traum u. Wirklichkeit, Wien 1870-1930, Kat. Wien 1985; N. TEEUWISSE, Vom Salon zur S. Berliner Kunstleben zwischen Tradition u. Aufbruch zur Moderne. 1870-1900, Berlin 1986; O. KAPFINGER, A. KRISCHANITZ, Die Wiener S. Teil 1-2, Wien, Köln, Graz 1986; R. HUMMEL, Die Anfänge der Münchner S., München 1989; M. MAKELA, The Munich S. Art and Artists in Turn-of-the-Century, München, Princeton/N. J.; Ph. URSPRUNG, Die Wiener S., in: Gustav Klimt, Ausstellungskat., Stuttgart 1992; M. HARZENETTER, Zur Münchner S., München 1992.
|