Sgraffito , von italienisch sgraffiare, graffiare, "kratzen",
1) Kratzputz. Der auf den Rauhputz aufgetragene, meist dunkelfarbige Grund wird mit einer hellen Putzschicht überdeckt. Vor vollständiger Härtung legt man den dunklen Untergrund durch stellenweises Wegkratzen der Deckschicht frei. Die in Deutschland schon im 13./14. Jh. bekannte Technik erlebte ihre Glanzzeit in der italienischen Renaissance, wobei oft mehrere übereinander aufgebrachte Farbschichten (Grau, Braun, Rot, Weiß und Schwarz) Verwendung fanden. Durch unterschiedlich tiefes Wegkratzen entstanden reliefartige mehrfarbige Bilder.
2) Die gleiche Technik fand auch Eingang in der Keramikerzeugung, wird dort oft aber als * Sgraffiato bezeichnet.
3) Obwohl mit der ursprünglichen Technik nicht übereinstimmend, findet heute der Ausdruck Sgraffito auch für Graffiti Verwendung, d. h. für Machwerke, die in der Regel ohne Billigung des Eigentümers mit Farbe an Hausfassaden, WC-Wände, U-Bahnwaggons usw. geschmiert oder mit Farbspraydosen aufgesprüht werden. Die Zeichnungen und Parolen sind meist politischer, satirischer oder obszöner Natur (* Graffito).
1) R. HOLZINGER, Fresko u. Sgraffito, Wien 1948; Ch. THIEM, Toskan. Fassaden-Dekoration in S. u. Fresko 14-17. Jh., München 1964; M. STOCKEBRAND, Fassadendekorationen in S. in Florenz im 19. u. 20. Jh., Düsseldorf 1983. 2) G. WEISS, Alte Keramik neu entdeckt, Ullstein Sachbuch, Augsburg, Frankfurt/M., Berlin, Wien 1985. 3) H. GAMBER (Hg.), Graffiti. Was an dt. Wänden steht, München 1987; J. STAHL, Graffiti zwischen Protest und Ästhetik. Zu Problemen der Wandzeichnungen, Diss. Bonn 1988.
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