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Das grosse Kunstlexikon von P.W. Hartmann

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Babylonische Kunst , Bezeichnung für das künstlerische Vermächtnis der Babylonier.

Babylon ist die griechische Form von akkadisch Bab-Ili, "Tor Gottes" (hebräisch Babel). Die Babylonische Kunst zerfällt in zwei Abschnitte. Als Fortsetzung der sumerisch-akkadischen Tradition hatte die altbabylonische Kunst ihre erste Blütezeit unter König Hammurabi (1729-1686 v. Chr.). Der Höhepunkt der neubabylonischen Kunst und Kultur war unter König Nebukadnezar II. (605-562 v. Chr.).

Die Ruinen der altorientalischen Stadt Babylon, dem Zentrum des babylonischen Reiches, liegen ca. fünf km nördlich von Al Hilla, im mittleren Irak. Siedlungsanfänge gehen auf das 3. Jt. v. Chr. zurück. Um 1900 v. Chr. gründeten aus der Syrischen Wüste gekommene amoritische Nomaden eine Herrscherdynastie in Babylonien. Die von Hammurabi (1792-1750 v. Chr.), dem fünften König der 1. Dynastie, zur Reichsmetropole erhobene Stadt Babylon wurde in der Folge von den Assyrern mehrmals zerstört. Seine größte Ausdehnung hatte Babylonien im neubabylonischen Reich unter Nabupolassar (626-605 v. Chr.), dem Begründer der Chaldäerherrschaft, sowie seinem Sohn und Nachfolger Nebukadnezar II. (König seit 605 v. Chr.; gest. 562 v. Chr.).

Bekannt wurde Nebukadnezar durch die Vollendung des zu Ehren des Gottes Marduk gebauten Tempelturms Etemenanki, der als * Babylonischer Turm in die biblische Geschichte einging, sowie seine militärischen Aktionen, zu denen die Aussiedlung der gefangenen Juden aus dem zerstörten Jerusalem zählte (* Babylonisches Exil).

Zu den erhaltenen Kunstgegenständen aus Babylon zählt u. a. ein ca. 3,3 cm großer, aus Elfenbein geschnitzter Mädchenkopf aus der Zeit Nebukadnezars (Berlin, Staatliche Museen). Der Umstand, dass bei Ausgrabungen vergleichsweise wenige Kunstwerke gefunden wurden, mag in der mehrmaligen Zerstörung und Plünderung der Stadt sowie darin begründet sein, dass relativ kleine Gegenstände unter den metertiefen Schuttmassen schwierig zu orten sind.

In Babylon gab es schon zu einer Zeit großartige Bauwerke aus mit * Erdpech verbundenen, zum Teil glasierten * Backsteinen, als in Europa erst die * Jungsteinzeit von der * Kupferzeit abgelöst wurde und die Menschen überwiegend noch in Höhlen oder primitiven Hütten hausten. Als Höhepunkt jahrhunderte langer Bautätigkeit an kleineren Wällen und Befestigungsanlagen sind vor allem die Schanzmauern Babylons zu nennen. Von ihnen sagte Herodot, dass sie 200 Ellen hoch sowie 50 Ellen (1 Elle = 45 cm) breit waren und auf ihnen zwei * Quadrigen (Vierergespanne) aneinander vorbeifahren konnten.

Nach den Erkenntnissen der modernen archäologischen Forschung waren die Stadt sowie die davor befindlichen Gebäude von einem äußeren doppelten Mauerring umschlossen. Die eigentlichen Schanzmauern des rechteckig angelegten Zentrums waren ca. 8 km lang und bestanden aus einer 3 m starken Vormauer und einer etwa 6,5 m dicken Hauptmauer. Berühmt waren weiters der ca. 90 m hohe * Babylonische Turm, ferner der Prozessionsweg zum Tempel Marduks und die von dem deutschen Archäologen R. Koldewey entdeckten * "Hängenden Gärten der Semiramis", die als zweites der * sieben Weltwunder der Antike genannt werden.

Bei der Fülle der Architekturkunstwerke, die Babylonien zu bieten hatte, ist es nicht verwunderlich, dass in der Antike die Ansichten auseinander gingen, welches der imposanten Bauwerke als Weltwunder bezeichnet werden sollte. Für Philon von Byzanz waren es die Gärten der Königin Semiramis. Herodot hätte es dagegen lieber gesehen, wenn der Turm zu Babel als Weltwunder eingestuft worden wäre, und andere wieder sahen im Prozessionsweg zum Tempel Marduks bzw. in den Stadtmauern Babylons die wahren Wunder.

Im Juden- und Christentum gilt Babylon
1. wegen des Turmbaus zu Babel als Symbol für ein gottloses Werk und
2. wegen der so genannten babylonischen Gefangenschaft der Juden als Inbegriff des Bösen. Aufgrund der Offenbarung des Johannes (* Apokalypse) wurde Babylon durch ein in Scharlach und Purpur gekleidetes Weib mit einem goldenen Becher voll Unrat in Händen, die so genannte "Babylonische Hure", personifiziert (in der Bildenden Kunst u. a. von * Dürer dargestellt).

E. UNGER, Assyrische u. babylonische Kunst, Breslau 1927; W. ANDRAE, Babylon. Die versunkene Weltstadt und ihr Ausgräber R. Koldewey, Berlin 1952; H. SCHMÖKEL, Ur, Assur u. Babylon, Stuttgart 1955; E. KLENGEL-BRANDT, Reise in d. alte Babylon, Leipzig 1977; Sumer, Assur, Babylon. 7000 Jahre Kunst u. Kultur zwischen Euphrat u. Tigris, Kat., Mainz 1978; H. KLENGEL, Hammurapi v. Babylon u. seine Zeit, Berlin 1980.


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