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Das grosse Kunstlexikon von P.W. Hartmann

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Troger , Simon (geb. 13.10.1683, Abfaltersbach; gest. 25.9.1768, Haidhausen), auf * Kombinationsfiguren aus Elfenbein und Holz spezialisierter Bildhauer.

Seine vor allem für den Kurfürsten Maximilian III. Joseph von Bayern hergestellten großen Figurengruppen wurden so bekannt, dass aus Elfenbein und Holz bestehende Kombinationsfiguren, in Unkenntnis der anderen in dieser Manier arbeitenden Künstler, häufig als Trogerfiguren bezeichnet werden. Die Angaben 1693/94 als möglicher Zeitraum für seine Geburt sowie Haidhausen als Geburtsort sind überholt, wurden schon im Kat. des Bayerischen Nationalmuseums von 1926 richtiggestellt und darin Troger als Tiroler bezeichnet.

Die vermutete Geburtsstätte des Künstlers, das Anwesen der Familie Troger in Abfaltersbach, liegt in 1319 m Seehöhe und ist damit der höchstgelegene Bauernhof des dortigen Gebietes. Überliefert ist, dass Troger die Bildhauerei erlernte und seit 1721 in Meran bei Meister Schmiedecker als Gehilfe tätig war, bevor er von etwa 1723-1725 in Innsbruck bei dem Bildschnitzer Nikolaus Moll arbeitete. Ab 1730 scheint der Name Troger bereits in München auf, und zwar in Verbindung mit Andreas Faistenberger, der gleichfalls aus Tirol stammte und in dessen Werkstatt Troger zwei Jahre lang beschäftigt war.

Zu den zeitgenössischen Hinweisen zählt ein 1746 im Taufbuch von Bogenhausen (damals zuständig für Haidhausen) vorgenommener Vermerk, dass ein Studiosus Troger anstelle seines Vaters Simon Troger als Pate fungierte. Weitere Einblicke in die Lebensumstände des Künstlers bieten die im November 1758 von dem kurbayerischen Geheimrat Josef E. Freiherr von Obermair (1724-1789) auf zwei Papierbogen gemachten Aufzeichnungen, die in dessen Nachlass gefunden wurden. Sie vermitteln den Eindruck, es handle sich dabei um Notizen, die der Freiherr von einem persönlichen Gespräch mit Troger gemacht hatte (Geh. Hausarchiv München über Geheimrat Obermair).

Durch diese Aufzeichnungen wurde die Tiroler Abstammung des Bildhauers evident, und es heißt darin ferner, dass Troger mit 32 Jahren heiratete und er sowie seine Frau "nit von den frömmsten waren". Alle von Troger selbst stammenden Kombinationsfiguren bestehen zum Großteil aus Elfenbein und wurden nicht wie üblich mit Holz kombiniert um Elfenbein zu sparen, sondern der dekorativen Wirkung wegen. Da es nur wenig Informationen über die damaligen Preise von Bildhauerwerken gibt, kommt dem im Katalog des Bayerischen Nationalmuseums enthaltenen Wertangaben besondere Bedeutung zu.

Die angeführten, aus Elfenbein und Holz bestehenden Gruppen, deren einzelne Figuren fast alle eingesetzte Augen aus mundgeblasenem Glas aufweisen, sind im Besitz des Bayerischen Nationalmuseums und werden im Katalog des Museums bezeichnet als: Es wird angenommen, dass der Souverän den seiner Kunst wegen sehr geschätzten Bildhauer mit Elefantenstoßzähnen versorgte und die genannten Beträge als Künstlerhonorare anzusehen sind. Der Überlieferung nach verfügte der Fürstenhof über genügend Elfenbein, da Maximilian III. Joseph das edle Material für Drechselarbeiten verwendete.

Man kann davon ausgehen, dass die großfigurigen Arbeiten Trogers in der Regel vom Kurfürsten als Repräsentationsobjekte in Auftrag gegeben wurden und bisweilen auch als Präsente dienten. Im Schloss Schleißheim waren bis 1812 in der großen Galerie auf eigens angefertigten Tischen Figurengruppen Trogers als Schaustücke ausgestellt. Zum Unterschied von anderen Schnitzern, die häufig Außenseiter der Gesellschaft (* Krüppel und Bettler) als Kombinationsfiguren gestalteten, widmete sich die Werkstatt Trogers fast ausschließlich mythologischen und biblischen Themen.

Alle bekannten Figuren Trogers wirken in Mimik und Gestik erhaben und ausgewogen. Besonders charakteristisch für den Stil Trogers sind die Hände seiner Figuren; so stellt man sich richtige Bergbauernhände vor. Auch die Finger der wiedergegebenen Frauen sind relativ kurz und kräftig, wie aus "Bauklötzen" zusammengesetzt. Im allgemeinen wurden nicht Einzelfiguren, sondern zumindest aus zwei Figuren bestehende Gruppen gestaltet, die u. a. durch den für Kombinationsfiguren hohen Anteil an Elfenbein auffallen.

Im Gegensatz zu anderen Schnitzern fertigte Troger die großteils nackten Körper seiner mythologischen oder biblischen Figuren zur Gänze aus Elfenbein und drapierte die aus Holz geschnitzte sparsame Kleidung um das Elfenbein. Das Holz ist dunkel gebeizt und glatt poliert. Um die schwungvoll in barocker Manier geformten Querfalten gestalten zu können, weist es eine größere Materialstärke auf als bei den meisten der von anderen Schnitzern stammenden Figuren. Selbst zerrissen wiedergegebene Kleidung wirkt kunstvoll und ästhetisch. Die Ränder der Gewandung und auch die in der Kleidung manchmal befindlichen Löcher wirken natürlich und sind auf keinen Fall "gekünstelt ausgefranst", wie das vor allem bei Figuren der Fall ist, die der Föger-Werkstatt zugeschrieben werden.

In ähnlicher Weise wie Troger arbeiteten auch die Bildschnitzer Vitus (Veit) Grauppensberg (Krabensberger), der als unmittelbarer Schüler Trogers bezeichnet wird, und Matthias Kolb, dessen Arbeiten stilistisch den Trogerschen Werken so ähnlich sind, dass laut Philippovich "eine Zusammenarbeit unbedingt angenommen werden muss". Zum Unterschied von Arbeiten dieser beiden Bildhauer weisen die Sockelstücke der aus der Troger-Werkstatt stammenden Figurengruppen, besonders die Seitenflächen der meist plattenförmig ausgeführten Basisstücke, parallel geführte, dicht gesetzte und relativ breite in eine Richtung weisende Hohlkehlschnitte auf.

Im Allgemeinen sind die Werke Trogers nicht signiert. Es gibt allerdings zwei monogrammierte Gruppen, die sich im Bayerischen Nationalmuseum in München befinden, ferner die so genannte "Sigmaringer Madonna", die am Kleidsaum mit "SIMAN TROGER" bezeichnet ist, und ein im Kunsthistorischen Museum in Wien aufbewahrtes 22 cm hohes, mit "Simon Troger fecit in Haidhausen" signiertes Holzmodell für die Kain-und-Abel-Gruppe des Bayerischen Nationalmuseums.

Neben den im Besitz des Bayerischen Nationalmuseum in München befindlichen Gruppen werden von Troger stammende Kombinationsfiguren auch in anderen Museen aufbewahrt, von denen sich die bekanntesten in Aachen (Suermondt-Museum), in Amsterdam (Rijksmuseum), in Brescia (Museum), in Budapest (Kunstgewerbemuseum), in Dresden (Grünes Gewölbe), in Erbach/Odenwald (Deutsches Elfenbeinmuseum), in Innsbruck (Tiroler Landesmuseum), in Kopenhagen (Schloss Rosenborg), in Leningrad (Eremitage), in London (Victoria & Albert Museum), in Nürnberg (Germanisches Nationalmuseum) und in Turin (Museo Civico) befinden. Daneben gibt es von Troger stammende Werke auch in Privatsammlungen, z. B. in der Sammlung Winkler und in der Fürstlich Waldburg-Wolfeggschen Sammlung.

H. SPRINZ, Die Bildwerke der Fürstlich Hohenzollerschen Slg. Sigmaringen, Stuttgart, Zürich 1925, Tafel 65; R. BERLINER, Kat. des Bayer. Nationalmus., Bd. XIII, 4, Augsburg 1926; M. H. LONGHURST, Catalogue of Carvings in Ivory, Victoria & Albert Mus., London 1929; K. WALDE, Die Gemeinden Tirols, 2. H., Abfaltersbach, Nr. 12, Tiroler Landesmus., Innsbruck 1956; E. v. PHILIPPOVICH, Simon T., in: Osttiroler Heimatblätter, Jg. 27, 5, 1959; E. v. PHILIPPOVICH, Simon T. u. andere Elfenbeinkünstler aus Tirol, in: Schlern-Schriften 216, Universitätsverlag Wagner, Innsbruck 1961; Chr. E. G. GRIMME, 5 Jahre Neuzugänge der Aachener Museen, in: Aachener Kunstblätter, H. 33, 1966, S. 44; Meisterwerke der Plastik aus Privatslg. im Bodenseegebiet, Bregenz-Künstlerhaus, Bregenz 1967; E. EGG, Tiroler Bildhauer im Ausland, in: Kunst in Tirol, Innsbruck 1970; E. v. PHILIPPOVICH, Kombinationsfiguren aus Elfenbein u. Holz, in: Kunst in Hessen u. am Mittelrhein, H. 17, 1977, S. 34; J. THINESSE DEMEL, "Appendix zum Elfenbeinkat. R. Berliners", Magisterarbeit, Ludwig-Maximilians-Univ. München, München 1977; E. v. PHILIPPOVICH, Simon T. und Matthias Kolb, in: Kunst u. Antiquitäten IV, 1981, S. 27; E. v. PHILIPPOVICH, Elfenbein, München 1982; Chr. THEUERKAUFF, Elfenbein, Sammlung Reiner Winkler, Kat. I, München 1984.


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