Trompe l'œil , französisch, "trügerischer Schein", "Augentäuschung",
Bilder, deren dargestellte Gegenstände so naturalistisch gemalt sind, dass sie vom Betrachter als tatsächlich vorhanden empfunden werden. Häufig findet man die Ausdrücke Trompe l'œil und * Quodlibet gleichgestellt. Zumeist aber werden mit Quodlibet Bilder bezeichnet, die eine Anhäufung beliebigen Kleinkrams. Davon abgesehen, sind Quodlibets oft in Form graphischer Blätter ausgeführt, Trompe l'œil dagegen häufiger als Gemälde. Eine Trompe l'œilwirkung als beabsichtige Augentäuschung illusionistischer Malereien wird von Autoren der Antike schon bei Werken des griechischen Malers * Apelles von Kolophon erwähnt und als Ausdruck seines überragenden Könnens gepriesen.
Nach Plinius soll Zeuxis im 5. Jh. v. Chr. Trauben auf einem Wandbild so täuschend echt gemalt haben, dass sie von Vögeln angepickt wurden. Sein Konkurrent Parrhasios malte daraufhin einen Schleier über verschiedene gemalte Gegenstände so naturalistisch, dass Zeuxis den Schleier beiseite schieben wollte, um die Malerei darunter besser betrachten zu können. Auch bei der in der Renaissance beliebten * Scheinarchitektur handelt es sich um Trompe l'œileffekte durch Perfektionierung der Wiedergabe von Licht und Schatten und der * Perspektive.
Die täuschende Wirkung ging aber stets nur von einem Teil des Gesamtbildes aus. Selbstzweck als "l'art pour l'art" (Kunst um der Kunst willen) wurde die Trompe l'œilmalerei der Neuzeit erst im Barock. Besonders beliebt waren Darstellungen von Regalen und Wandschränken, deren offene Türen Einblick in das Innere bieten. Charakteristisch für die Trompe l'œilmalerei ist, dass bevorzugt Unwichtiges, Wertloses wiedergegeben wird, etwa Kerzenstümpfe, umgekippte zerbrochene Gläser und allgemein Dinge, die einer künstlerisch aufwendigen Darstellung nicht wert schienen.
Als Beispiel mag ein Trompe l'œilgemälde im Statens Museum for Kunst in Kopenhagen dienen: es zeigt die leere Leinwand einer Bildrückseite und den Rahmen mit * Keilrahmen, als ob ein Bild verkehrt hängen würde. Heute sind Trompe l'œil vor allem in Amerika als Wandmalereien gebräuchlich. Bekannt wurde z. B. ein in Columbia in South Carolina auf die Fassade einer Bank gemalter durch eine Felswand führender Straßentunnel, an dessen Ende die untergehende Sonne zu sehen ist. Der Tunnel ist so realistisch gemalt, dass ein Autofahrer gegen die Hauswand gefahren sein soll. Vgl. * Scheinarchitektur, * Quadraturmalerei.
F. CLERICI, The Grand Illusion. Some Considerations of Perspective, Illusionism and T., in: Art News Annual XXIII, 1954; H. SHIPP, The Art of T., in: The Concise Encyclopedia of Antiques, Bd. 4, S. 124 ff., New York 1959; Ch. BURDA, Das T. in der holländ. Malerei des 17. Jh., Diss. München 1969; M. BATTERSBY, T. The Eye deceived, London 1974; M. L. d'OTRANGE MASTAI, Illusion in Art. T., A History of Pictorial Illusionism, New York 1975, London 1976; E. H. GOMBRICH, Kunst u. Illusion ..., Stuttgart, Zürich 1980; M. MILMAN, Das T., Genf 1984.
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