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Das grosse Kunstlexikon von P.W. Hartmann

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Tugenden und Laster , bereits im Altertum galten die als Haupttugenden und später vom Heiligen Ambrosius als Kardinaltugenden bezeichneten weltlichen Tugenden als Maßstab ethischen Verhaltens (Platon, Aristoteles):

1. Weisheit oder Klugheit = Prudentia, auch * Sapientia (Attribute und Symbole: Schlange, Spiegel, auch als Frauenfigur mit Schriftrolle oder Buch dargestellt);

2. Mäßigkeit = Temperantia (Attribute und Symbole: Sanduhr oder zwei Gefäße zum Mischen von Wasser und Wein, auch als Frauenfigur mit Fackel und Krug oder auf einem Elefanten/Kamel reitend dargestellt);

3. Tapferkeit oder Standhaftigkeit = Fortitudo (Attribute und Symbole: Fahne, Rüstung, Schild und Schwert sowie Löwenfell, auch als Frauenfigur mit Waffen dargestellt);

4. Gerechtigkeit = Justitia (Attribute und Symbole: meist als Frauenfigur mit Schwert und Palmenzweig oder Waagschalen dargestellt). Die Symboldarstellungen gab es schon in der griechisch/römischen Kunst.

Als kaiserliche Tugenden galten im römischen Reich:

1. Gerechtigkeit = Justitia;
2. Tapferkeit = Virtus;
3. Milde = Clementia;
4. Frömmigkeit = Pietas.

Die weltlichen Tugenden wurden durch die drei christliche Tugenden ergänzt:

1. Glaube = Fides (Attribute und Symbole: brennendes Herz, brennendes Herz mit Kerze, Kreuz oder Bibel);

2. Hoffnung = Spes (Attribute und Symbole: Schiff, Anker);

3. Liebe, Nächstenliebe = Caritas (Attribute und Symbole: Pelikan, auch als Brot austeilende Frau mit zwei bis vier Kindern dargestellt).

Die christlichen Tugenden sind im NT in den Briefen des Apostels Paulus (1. Korinther, 13, 13) erwähnt und wurden vom hl. Gregor d. Gr. als "bona summa" den weltlichen Tugenden angefügt und die Siebenzahl der Tugenden zu den sieben Gaben des * Heiligen Geistes in Bezug gesetzt. Mit den drei christlichen Tugenden in Zusammenhang gebracht wird auch die hl. * Sophia (griechisch, Weisheit), die ihre drei Töchter * Fides, * Spes und * Caritas genannt hatte. Darstellungen der christlichen Tugenden wurden bisweilen mit dem * Christusmonogramm versehen.
Manchmal finden noch mehr Tugenden Erwähnung, wie etwa die Darstellung der Zwölfzahl in den Kathedralen von Amiens, Chartres und Paris. Als Tugenden gelten dann noch:

8. Demut = Humilitas (Attribute und Symbole: Taube. Die Demut führt die Tugenden manchmal im Kampf mit den Lastern an);

9. Geduld = Patientia (Attribute und Symbole: sanfter Ochse, oder mit einem Ochsen dargestellt);

10. Sanftmut = Mansuetudo (Attribute und Symbole: Lamm, oder mit einem mit Lamm dargestellt);

11. Ausdauer = Perseverantia (Attribute und Symbole: brütender Vogel, oder mit brütendem Vogel dargestellt);

12. Frieden = Pax (Attribute und Symbole: Ölzweig, Taube, Taube mit Ölzweig);

13. Eintracht = Concordia (Attribute und Symbole: wie Frieden);

14. Gehorsam = Oboedientia (Attribute und Symbole: mit einem Kamel dargestellt);

15. Keuschheit = Castitas (Attribute und Symbole: Lilie, Einhorn, oder mit Lilie oder Einhorn dargestellt).

Den Tugenden wirken die folgenden vom hl. Ambrosius und Gregor d. Gr. aufgezählten Hauptlaster oder Todsünden entgegen:

1. Hochmut = Superbia (Symbol: auf einem Löwen reitende Frau mit Zepter und Krone, manchmal auch mit Fledermausflügeln dargestellt, oder durch * Alexanders Greifenfahrt);

2. Zorn = Ira (Symbol: Mann, der vor Zorn die eigenen Kleider zerreißt oder mit dem Schwert kämpft);

3. Neid = Invidia (Symbol: auf einem schwarzen Hund reitend dargestellt);

4. Geiz, Habsucht = Avaritia (Frau oder Mann, auf Geldtruhe sitzend);

5. Trägheit = Acedia (Symbol: Frau oder Mann, schlafend);

6. Völlerei, Unmäßigkeit = Gula (Symbol: Frau oder Mann beim Tafeln, manchmal auch auf einem Fuchs reitend, der eine Gans im Maul hält);

7. Wollust = Luxuria (Symbol: Frau auf Bock oder Schwein reitend oder als Sirene).

In der "Psychomachia", der Gedichtsammlung des Clemens Prudentius (geb. 348; gest. nach 405), des bedeutendsten Dichters der Spätantike, wird erstmals der Kampf zwischen Tugenden und Lastern beschrieben und danach auch die Tugenden und Laster in der bild. Kunst dargestellt. Zu den bekanntesten Publikationen zählt die Folge der "Sieben Todsünden" von Peter * Flötner d. Ä.

P. SCHULZE, Die Entwicklung der Hauptlaster- u. Haupttugendlehre von Gregor d. Gr. bis Petrus Lombardus, Diss. Greifswald 1924; R. TUVE, Notes on the Virtues and Vices, in: Journal of the Warburg and Courtauld Institute 26, 1963; 27, 1964; I. KAISER, Die T.-Darstellungen im 16. Jh., Diss. Salzburg 1974.


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