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Das grosse Kunstlexikon von P.W. Hartmann

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Wachsausschmelzverfahren , Cire-perdu-Technik, Guss mit Verlorener Form,

Bezeichnung für eine alte, schon in der Bronzezeit gebräuchliche Gusstechnik zur Herstellung kleiner Bronzeplastiken mit Hilfe der so genannten "Verlorenen Form". Nach den am Beginn der Gusstechnik üblichen Vollgüssen wurden mit dem Wachsausschmelzverfahren bereits im Altertum * Hohlgüsse hergestellt. Beim Vollguss modellierte man das zu gießende Objekt aus Wachs und bedeckte die Wachsplastik mit Ton, d. h. mit dem so genannten Formmantel. Danach wurde der Ton durch Brennen gehärtet, wobei das Wachs durch die dafür angelegten Kanäle ausfloss und so den Hohlraum für das flüssige Metall freigab.

Beim Hohlguss wurde zuerst aus Ton der Formkern hergestellt und darauf das zu gießende Objekt in der Stärke der späteren Metallwandung aus Wachs modelliert. Danach deckte man das Wachs mit dem aus dem gleichen Material wie der Formkern bestehenden Formmantel ab. Durch das Einschlagen von Stiften wurde gewährleistet, dass der Abstand zwischen Formkern und Formmantel auch nach dem Ausschmelzen des Wachses erhalten blieb. Danach brannte man die Form, wodurch sich das Material verfestigte, zugleich auch das Wachs schmolz und durch die dafür vorgesehene Kanäle abfloss (daher der Name Wachsausschmelzverfahren). Die Form brachte man sodann in ein Sandbett (bei großen Objekten in die so genannte Dammgrube) und goss von oben das auf 800-900 ° C erhitzte Metall ein.

Bei größeren oder kompliziert geformten Stücken erfolgte das Beschicken der Form durch das so genannte "steigende Gießen". Das Metall wurde dabei außerhalb der Form in ein Kanalsystem geleitet, wodurch es gleichmäßig von unten in die Form aufstieg. Für das Entweichen der Luft sorgten röhrenförmige Auslässe, Windpfeifen genannt. Das in die Form gelangte flüssige Metall nahm den durch das ausgeflossene Wachs freigewordenen Raum, d. h. exakt die Gestalt der ehemaligen Wachsplastik an. Um an das Gussstück zu gelangen, musste man die Formwand zerschlagen. Die Form war somit verloren, d. h. nicht mehr verwendbar, daher auch der Ausdruck "Verlorene Form".

Der tönerne Formkern wurde nach Möglichkeit entfernt (bisweilen waren dafür eigene Öffnungen vorgesehen). Konnte er nicht ohne Schwierigkeiten beseitigt werden, verblieb er im Inneren der Plastik. Durch * Ziselieren wurden die Ansatzstücke der Windpfeifen vom Guss abgesprengt und das Material durch Feilen geglättet. Die alte Technik des Wachsausschmelzverfahrens hat den Vorteil, dass einfache Objekte in einem Stück gegossen werden können. Nachteilig ist, dass sich mit einer Form jeweils nur ein einziger Gegenstand herstellen lässt. Es besteht aber die Möglichkeit, durch einen Abdruck des Objekts wieder eine neue Form zu bilden, was jedoch einen Verlust an Ursprünglichkeit zur Folge hat. Bei den modernen Gussverfahren wird der zu gießende Gegenstand in Abschnitte eingeteilt und für jede Zone eine eigene Form hergestellt, die oftmals verwendet werden kann. Nach erfolgtem Guss werden die Einzelteile zusammengesetzt und verlötet. Vgl. * Rohguss.

K. KLUGE, Die antike Erzgestaltung u. ihre technischen Grundlagen, Berlin, Leipzig 1927; G. SEITZ, Entstehung einer Plastik, Berlin 1951; D. E. L. HAYNES, Ancient Bronze-Casting Methods, in: Archäolog. Anzeiger 1970; R. DAWSON, Die Plastik. Techniken des Modellierens u. Gießens, Ravensburg 1970; B. HÖFLER, Herstellungsverfahren f. monumentale Gußstandbilder bis zum 18. Jh., Diss. München 1977.


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