Wallfahrt , Fahrt oder Fußmarsch einzelner oder zusammengehöriger Gruppen zu heiligen Stätten.
Wallfahrten dienen dazu, Gott für etwas zu danken oder um etwas zu bitten. Im Mittelalter waren vor allem Fernwallfahrten zu den heiligen Stätten der Christenheit beliebt, nach Jerusalem, Rom und * Santiago de Compostela. Die Angehörigen von Pilgern begleiteten diese oft bis zu einem * Bildstock außerhalb des Wohnorts. Dort nahmen die Pilger von der Familie "Urlaub" und begaben sich auf den Weg. Wegkreuze oder Bildstöcke, bei denen sich die Pilger von den Angehörigen verabschiedeten, um allein weiterzuziehen, hießen deshalb * Urlauberkreuze.
Vermögende Personen, die nicht selbst reisen konnten oder die Strapazen nicht auf sich nehmen wollten, mieteten einen Pilger, der in ihrem Namen die Reise unternahm. Seit dem Barock änderten sich die Wallfahrtgewohnheiten. Es wurde die Nahwallfahrt üblich, die jeder selbst unternehmen konnte und die auch heute noch, manchmal als Gruppenwallfahrt, zu Wallfahrtskirchen mit oft nur regionaler Bedeutung durchgeführt wird. Einfluss auf das Wallfahrtwesen haben * Gnadenbilder und * Reliquien. Ein spezieller Brauch war, den in manchen Kirchen zu findenden "Jerusalemsweg" auf den Knien entlangzurutschen (* Labyrinth).
M. SCHARFE (Hg.), W. - Tradition u. Mode. Empirische Untersuchungen zur Aktualität der Volksfrömmigkeit, Tübingen 1985; L. CARLEN, W. u. Recht im Abendland, Freiburg/Schweiz 1987; N. FOSTER, Auf den Spuren der Pilger. Die großen W. im MA, Augsburg 1990; R. HABERMAS, W. u. Aufruhr. Zur Gesch. des Wunderglaubens in der frühen Neuzeit, Frankfurt/M. 1991.
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