Wilde Leute , wilde Männer, wilde Frauen, Darstellungen von nackten, am ganzen Körper stark behaarten Frauen und Männern, wie sie vom 14.-16. Jahrhundert populär waren.
Die Wilden Leute haben oft Knüppel in Händen oder ausgerissene Bäume. In der Literatur werden Wilde Leute bereits in der Antike erwähnt, u. a. von Herodot und Vitruv. Den phantastischen Erzählungen zufolge lebten sie im dichten Wald in Höhlen oder Laubhütten, ernährten sich von der Jagd und zähmten wilde Tiere. Die Zähmung wurde später moralisierend mit der Selbstbezwingung in Verbindung gebracht. Dargestellt findet man die Wilden Leute meist auf * Holzschnitten, * Kupferstichen, auf Werken der * Volkskunst und in der * Heraldik als * Schildhalter.
Es wurden auch so genannte Wildemann-Münzen geprägt, u. a. im 16. Jahrhundert in Braunschweig-Lüneburg und später in Hannover (letzte Prägung 1804). Als Schildhalter waren Wilde Männer u. a. am Harzer * Taler des Herzogs Erich II. von Braunschweig-Calenberg und von 1790-1809 auch auf preußischen Münzen gebräuchlich. Dargestellt wurden Wilde Leute u. a. bei Fastnachts- und bei höfischen Verkleidungsspielen.
A. BARNSTEIN, Die Darstellungen der höfischen Verkleidungsspiele im ausgehenden MA, Diss. München 1940; R. BERNHEIMER, Wild Men in the Middle Ages. A Study in Art, Sentiment and Demonology, Cambridge/Mass. 1952; L. L. MÖLLER, Die wilden Leute des MA, Kat., Hamburg 1963; T. HUSBAND, The wild man. Medieval myth and symbolism, New York 1980; R. MARTIN, Wild Men and Moors in the Castle of Love: the Castle-Siege Tapestries in Nuremberg, Vienna and Boston, Diss. Chapel Hill/N. C. 1983.
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