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Das grosse Kunstlexikon von P.W. Hartmann

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Zopfstil , in Deutschland Stil der Aufklärungszeit am Übergang vom Rokoko zum reifen Klassizismus, von ca. 1760-1780/90.

Die Bezeichnung Zopfstil war Anfang 19. Jahrhundert ein Synonym für unmodern, altmodisch und wurde in Verbindung mit Kunststilen für die Zeit des Manierismus bis zum 19. Jahrhundert verwendet. Die stilistische Neuorientierung nannte man dagegen "neuer" oder "antiker Geschmack". Anfang 19. Jahrhundert bezeichnete man die Zeit des Zopfstils u. a. als "Rokokoklassizismus" (P. F. Schmidt). Heute wird der Name Zopfstil manchmal einerseits auf zopfförmige Blattornamente zurückgeführt, anderseits auf die von Männern getragene Zopfperücke (* Zopf).

Während die vorangegangenen Stile fast ausschließlich durch den Adel repräsentiert wurden, war seit Ende des Rokokos auch das vermögende Bürgertum entscheidend an den Stilentwicklungen beteiligt. Charakteristisch für den Zopfstil ist zum Teil eine gewisse Einfachheit und trocken-nüchterne Lehrhaftigkeit und nicht mehr die im Barock und Rokoko übliche, auf Repräsentation ausgerichtete Gestaltungsweise. In der Architektur wurden Säulen und Wandpfeiler durch Pilaster, Deckenwölbungen durch Flachdecken ersetzt. Das reine Weiß verdrängte die früher bevorzugte Farbigkeit. Da der Zopfstil stark von klassizistischen Tendenzen geprägt war, wird er oft unter dem Titel des * Klassizismus subsumiert. In Frankreich war zur Zeit des Zopfstils eine späte Phase des * Louis-seize in Mode, in England das * Late Georgian , beeinflusst vom so genannten * Adam Style .

C. ZETZSCHE, Zopf u. Empire in Mittel- u. N-Deutschland, Leipzig 1909; J.-U. BRINKMANN, Südwestdt. Kirchenbauten der Zopfzeit, Diss. Köln 1972; D. N. CHODOWIECKI, Leben in der Zopfzeit, Kat., Köln 1976.


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