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Das grosse Kunstlexikon von P.W. Hartmann

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Zunft , von mittelhochdeutsch zumft, mit der Bedeutung "Schicklichkeit" ("was sich ziemt").

Die oft schon im Mittelalter entstandenen Zünfte waren von der Obrigkeit anerkannte Zusammenschlüsse von Angehörigen desselben Gewerbes. Die Zunft der Weber lässt sich in Mainz beispielsweise seit 1099 nachweisen. In manchen Regionen stellten die Zünfte eine Weiterentwicklung der * Gilden dar. Die Zünfte hatten die Aufgabe, die Ausbildung des handwerklichen Nachwuchses zu gewährleisten, die Arbeitszeit, die Qualität der hergestellten Produkte und die Preise zu überwachen, die Konkurrenz von außen nach Möglichkeit auszuschalten und gesellschaftliche und materielle Belange wie Heirat, Kranken- und Altersversorgung sowie die Bestattung zu regeln.

Die von der Zunft ausgerichteten Begräbnisse waren so gut organisiert, dass sich manche Bürger nur deshalb in einer Zunft einkauften, damit ihr Begräbnis von der Zunft übernommen wurde (* Seelzünfter). Die Ausbildung der Zunftmitglieder begann im Alter von 12-14 Jahren mit der Lehrzeit. Sie dauerte im allgemeinen vier Jahre und endete mit dem Ablegen der Gesellenprüfung (* Schleifgöd). In der anschließenden Gesellenzeit waren * Wanderjahre zwingend vorgeschrieben. Bei den Wanderjahren, der so genannten "Walz", handelte es sich um einen zwei bis drei Jahre währenden Arbeitsaufenthalt in der Fremde, der vor Antritt zur Meisterprüfung abgeleistet werden musste. Nur Söhnen von Meistern, deren Mitarbeit in der väterlichen Werkstatt erforderlich war, wurden die Wanderjahre erlassen, wenn sie um Befreiung ansuchten.

Zwischen dem Beginn der Lehrzeit und der Meisterprüfung war oft eine Zeitspanne von 12 Jahren vorgeschrieben. Die meisten Handwerker wurden allerdings nie Meister, sondern arbeiteten ihr Leben lang als Gesellen. Um das Meisterrecht erwerben zu können, musste man meist verheiratet und * Bürger des Ortes sein. Für die Erlangung des Bürgerrechts musste aber für gewöhnlich Grund- bzw. Hausbesitz vorhanden sein. Diese Voraussetzungen waren notwendig, weil die Lehrjungen, meist auch die Gesellen im Haushalt des Meisters lebten und verköstigt wurden. Selbst wenn diese Bedingungen erfüllt waren, konnten sich die ansässigen Meister noch dagegen aussprechen, dass ein neuer Meister in die Zunft aufgenommen wurde. Oft konnten Gesellen das Meisterrecht nur durch die Ehelichung einer Meisterwitwe oder Meistertochter erwerben; so genannte * Freimeister gab es nur wenige. "Zünftige" Gegenstände wie Zunftbücher, Zunftladen, Zunfthumpen gewähren einen guten Einblick in frühere Lebensweisen und stellen auch einen Querschnitt der Gebrauchskunst der damaligen Zeit dar.

R. WISSELL, Des alten Handwerks Recht und Gewohnheit (Hg. E. Schraepler), 2. Aufl., Berlin 1972; H. ROTH, Von alter Z.herrlichkeit, Rosenheim 1981; A.-M. DUBLER, Handwerk, Gewerbe und Z. in Stadt und Landschaft Luzern, in: Luzerner Historische Schriften 14, Luzern 1982; P. JOHN, Handwerk im Spannungsfeld zwischen Z.ordnung u. Gewerbefreiheit. Entwicklung u. Politik der Selbstverwaltungsorganisationen des dt. Handwerks bis 1933, Köln 1987; U. AMACHER, P. JEZLER, S. MARTI, Jenseitsglossar, in: Himmel Hölle Fegefeuer, Kat. Schweizerisches Landesmuseum, Zürich 1994.


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