Zylinderbureau , Rollbureau, französisch bureau à cylindre, in Frankreich entwickelter Schreibtisch mit zylindrisch gewölbtem Rollverschluss, dem so genannten * Tambour, mit dem die Schreibfläche abgeschlossen werden kann.
Beim Öffnen wird der viertelkreisförmige gewölbte Verschluss in einen Stauraum zwischen Rückwand und den als Aufsatz ausgeführten drei nebeneinander befindlichen Schubladen eingefahren. Bei frühen Exemplaren schiebt sich die Schreibplatte beim Öffnen des Rollverschlusses automatisch zum Benützer hin. Da dieses System auf Graf Kaunitz zurückgehen soll, der Botschafter in Paris war, wird die Ausführung auch als "Bureau à la Kaunitz" oder kurz"Kaunitz" bezeichnet. Unter der Schreibfläche befindet sich eine breite Schublade, die von zwei schmäleren Laden flankiert wird.
Das erste Zylinderbureau mit Aufsatz ist das berühmte so genannte Bureau du Roi im Louvre in Paris. Es wurde 1760 von J. F. * Oeben für König Ludwig XV. von Frankreich begonnen und nach dem Tod des * Ebenisten (1763) von seinem Schüler J. H. * Riesener 1769 fertiggestellt. Die in * Marketerie ausgeführten kunstvollen Verzierungen des Bureau du Roi stammen zu einem großen Teil vom Bildhauer Jean Claude Thomas de Plessis. Die aufwendigen * Appliken aus * Goldbronze sind Arbeiten des Ziseleurs Louis Barthélemy Hervieux. Bei späteren Schreibtischen dient anstatt des stabilen Rollverschlusses oft ein * Jalousieverschluss zum Verschließen der Schreibfläche. Meist wurde der dreiladige Oberbau durch einen kästchenförmigen Aufsatz mit Seitenteilen ersetzt.
B. MUNDT, Ein Zylinderbureau von David Roentgen, Berlin 1989.
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