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Papiermaché , Pappmaché, Papiermasse, Pappmasse, Cartapesta, von französisch papier mâché, "Papierteig" (eigentlich "gekautes Papier"),

Bezeichnung für Masse aus zerstampftem Papier, die mit wasserbindenden sowie erhärtenden Substanzen (Leim, * Gummi arabicum etc.) vermengt und meist auch gekocht wird. Neben den genannten Grundsubstanzen werden in kleinen Mengen auch noch andere Stoffe, wie Gips, Kreide, Ton usw., beigemengt. Sie machen die Masse geschmeidig und erhöhen den Härtegrad nach dem Trocknen. Die so genannte "Steinpappe" (französisch carton-pierre), ein Papiermaché mit hohem Kreideanteil, diente als Grundmaterial für die um 1700 von Nürnberg aus nach ganz Europa exportierten * Papierdocken.

Papiermaché lässt sich gut modellieren und mit Hilfe geölter * Modeln formen. Größere Objekte (Tabletts usw.), werden in Lagen aufgebaut, gepresst und lackiert. Bei ausladenden Gegenständen wie Theaterkulissen u. ä. dienen Draht- und Leineneinlagen als elastische Versteifung. Papiermaché ist wahrscheinlich orientalischen Ursprungs. Die ältesten Objekte aus Papiermasse, von denen wir Kenntnis haben, sind Figuren für einen * Automaten, den die Brüder Musa um 860 für den Kalifenhof von Bagdad herstellten. Die frühesten europäischen Gegenstände aus Papiermaché stammen aus dem 15. Jh. So befindet sich in Berlin (Staatliche Museen) aus jener Zeit ein 40x30,5 cm großes Relief oberitalienischer Provenienz.

Eine ganze Sammlung gotischer Papiermachéreliefs ist im Besitz des Schnütgen Museum in Köln. Im 17. Jh. wurden in Europa größere Mengen plastischer Objekte (Figuren, Reliefs) aus Papiermaché gefertigt, hauptsächlich * Krippenfiguren und * Papierdocken. 1772 erwarb H. Clay aus Birmingham das Patent für die Herstellung von unter Hitzeeinwirkung aus Papier produzierten Platten, die als Grundmaterial für bemalte und lackierte Tabletts u. ä. dienten. Mit dem Verfahren wurden sogar lackierte und zum Teil mit * Chinoiserien aus Perlmuttereinlagen verzierte Nähtische, kleine Kästchen u.s.w. gefertigt. Mit Einlagen aus * Perlmutter, * Koralle, * Schmucksteinen, * Elfenbein und Metall versehene Gegenstände kamen durch die * Ostindische Kompanie auch aus Japan nach Europa. Besonders beliebt waren die in Braunschweig von der Manufaktur * Stobwasser produzierten Papiermachéwaren, speziell die Schnupftabakdosen. Im 19. Jh. wurden in großen Mengen Puppenköpfe aus Papiermaché hergestellt. Es gibt auch * Vortragekreuze aus Papiermaché, weil Exemplare solcher Art wesentlich leichter sind als * Kruzifixe aus Holz.

L. WINZER, Bereitung u. Benutzung des Papiermachés, Weimar 1884; A. ANDERS, Die Fabrikation v. Papiermaché u. Papierstoffwaren, Berlin 1922; S. P. De VOC, English papier mâché of the Georgian and Victorian Periods, London 1971; S. KATZ, Papier Maché, Pulp Ware and Bois Durci, in: Early Plastics, in: Shire Album 168, Aylesbury, Bucks 1986.


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