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Historismus Als Historismus bezeichnet man in der Kunstgeschichte die Epoche nach 1848 bis zum Jugendstil - ein Nebeneinander und Nacheinander verschiedenster Stilarten. In den "Gründerjahren" prägte auch die Mode des "Fin de Siècle" die Schmuckgeschichte.
Die Gründerjahre brachten ein Stilgemisch in allen Bereichen. Nach dem Krieg zwischen Preußen und Frankreich 1870/71 protzten die "Neureichen" mit ihrem Besitz, mit Haus, Wohnung und Kleidung. Der Effekt war wichtiger als Echtheit und Qualität.
Die 2. Hälfte des 19. Jh. ist erfüllt von vielfältigen eklektizistischen Nachahmungen verschiedener Stilepochen. Aufgrund neuer, bedeutender archäologischen Entdeckungen, orientierte sich der Zeitgeist wieder an den Goldschmiedearbeiten alter Kulturen, wie z.B. der Etrusker (Granulieren), der Römer, der Assyrer und der Griechen.
Wohlhabende und interessierte Bürger besuchten nun, da das Reisen bequemer wurde, die Stätten des Altertums in Griechenland, Italien und Ägypten und brachten neue Anregungen mit. Ungeachtet des Abgleitens der Kreativität, blieb die handwerklich-technische Qualität des Kunsthandwerks erhalten.
Das Goldschmiedehandwerk fand neue Fertigungsmethoden und entdeckte verschüttetes Handwerksgut wieder. Vor allem gelang es mit der Galvanotechnik, das Kopieren von historischen Schmuckstücken zu perfektionieren. Zu den bereits bekannten Edelmetallen Gold und Silber gesellte sich das Platin hinzu: zuerst als Doublierung (ab 1880), später wurden ganze Schmuckstücke und Edelsteinfassungen daraus hergestellt (Blüte um 1920). Um 1860 entdeckte man in Sibirien "Demantoide", die im Schmuckschaffen reichlich Verwendung fanden, wie z.B. bei eidechsenförmigen Diamantbroschen. Die Schmuckindustrie stand ganz im Zeichen der Massenproduktion (Schmuckstücke wurden aus dünnem Blech gestanzt, maschinell geprägt oder gepresst). Durch die beginnende Emanzipation der Frau kamen um 1890 auch sportliche Accessoires in Mode (Spangen mit Golfschlägern, Reitpeitschen, Steigbügel und Tennisrackets). Die ägyptische Mode brachte eine häufige Verwendung von Skarabäen mit sich (Paruren im ägyptischen Stil). Auch der Jett-Schmuck, aus England kommend, begann im Historismus sich zu verwirklichen.
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