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Schmucklexikon von Prof. Leopold Rössler

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Gravieren

Spanabhebende Arbeitstechnik. Darunter versteht man das Einschneiden von Verzierungen (Zeichnungen, Schrift) in Metallflächen mit Hilfe eines stählernen Stichels (Grabstichel). In den Anfangsstadien war die Graviertechnik die Fortsetzung der Zeichenkunst des Menschen. Man kann daher die Gravierkunst als eine 10.000 Jahre alte Technik bezeichnen. In der verzierenden Formgebung zu suchen. Die Urheber dieser alten Technik waren die Gürtler, Gold- und Silberschmiede und Ziseleure. Die große Zeit der Gravierkunst begann im 14. Jahrhundert mit dem Kupferstich, obwohl schon im 3. Jahrtausend v. Chr. Siegelstempel, im 2. Jahrtausend Gravierungen von Gemmen und um die Jahrtausendwende die ersten Prägestempel für Münzen hergestellt wurden. Die Technik des Gravierens ist uralt und beginnt mit der Metallerzeugung in der Bronzezeit.
Durch das Abheben von feinen Spänen entstehen unterschiedlich starke und tiefe Linien. Dabei bleibt die Fläche eben, die Linie wirkt klar und scharf. Bei Arbeiten mit Punzen dagegen wird die Fläche wellig, und die Linie wirkt stumpf. Durch seitliche Neigung des Stichels entsteht eine breite, krebsschnittartige Linie (Glanzschnitt, Bright-Cut-Gravierung). Das Flächeln oder Tremblieren ist eine primitive Form der Gravur, wo statt des Stichels ein Schabeisen in schaukelnder Bewegung über das Metall geführt wird, so dass ein Zickzackband entsteht. Dieser "Tremblier"- oder "Tremulierstich" wird als Dekorationstechnik eingesetzt. Auch zum Abarbeiten von Lötnähten oder zur Entnahme einer Materialprobe bei der Beschau (Tremulierstrich oder Ziselierstich) von Silberwaren im17. und 18. Jh.
Gravuren müssen nicht notwendig in der Werkstatt des Goldschmieds entstanden sein, sie wurden oft von Kupferstechern ausgeführt. Das Gravieren von Silber trug wahrscheinlich entscheidend zur Entwicklung des Anfang des 15. Jh. erfundenen Kupferstichs bei; denn die Goldschmiede machten sich Papierabzüge von ihren Gravuren, um die Entwürfe wieder verwenden zu können. Andererseits trugen gestochene Musterblätter (Vorlagen) wiederum zur Verbreitung des Gravieren bei.
In der Gotik war das Gravieren als Dekorationstechnik sehr beliebt. Es entstanden zahlreiche Silberobjekte mit bildlichen Darstellungen (sog. gestochene Bilder), in Italien kombinierte man im 15. Jh. die Gravur oft mit der Niello-Technik (Niello). Im 16. Jh. ersetzte man das aufwendige Gravieren oft durch das Ätzen bzw. bevorzugte man Dekorationen in Treibarbeit (Treiben). In den Niederlanden war das Gravieren, besonders von Tellern, Probierschalen und Präsentiertellern, dagegen auch im 16. und 17.Jh. noch üblich. Seit der 2. Hälfte des 18.Jh. werden häufig wiederkehrende Muster auf Gravier-, Guillochier-, Linier- und Schraffiermaschinen hergestellt. Später wurden Monogramme und Inschriften graviert.
Das Arbeiten mit dem Stahl-Meißel ist dem Gravieren verwandt, allerdings wird hier der Druck des Handballens durch den Hammerschlag ersetzt, ist also nur für grobe Dekors geeignet. Aus dieser langen Entwicklungszeit haben sich spezielle Stichtechniken ergeben, z.B.: Kupferstich, Stahlstich, Reliefstich, Flachstich. Die Gravierkunst der heutigen Zeit ist eine Spezialisierung geworden, wobei zwischen Hand- und Maschinengravur und einzelnen Spezialgebieten unterschieden wird, z.B.: Stahl-, Formenbau-, Walzen-, Blinddruck-, Schwarzdruck-, Schrifttypen-, Golddruck-, Schmuck-, Siegelstempel-, Etiketten-, Glas- und Steingravur.


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