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Schmucklexikon von Prof. Leopold Rössler

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Renaissance

Zeitepoche von Mitte des 14. bis Mitte 16. Jhd. in Italien, in den außeritalienischen Ländern setzt die Renaissance erst um 1500 ein.

Die Zeit der Wiederentdeckung der Antike in der Kunst. Die Mode und der Schmuck unterlagen in den bedeutendsten Ländern wie Österreich, Deutschland, Italien, Frankreich und England den jeweiligen sozialpolitischen Strukturen. Generell ging die Renaissance von Italien aus. Unterschieden wird deutlich zwischen Körper- und Tischschmuck (Silberwaren).

Beim Körperschmuck hatte die Mode ihren großen Einfluss, d.h. der Aufschwung der bildenden Kunst in Italien blieb nicht ohne wesentliche Folgen für die Arbeit der Textilmanufakturen. Sie gestaltete unbewusst den Schmuck. Während die Frührenaissance des 15. Jh. noch der schlanken Figur und dem sparsamen Stoffverbrauch den Vorzug gab, veränderte das 16. Jh. schon recht deutlich das ästhetische Ideal. Das bisher hängende Gewand wurde mit Schleppen versehen, man verwendete neue, schwere Stoffe wie Brokate, Samte, Atlasse und Seiden. Die Formen des menschlichen Körpers wurden entweder enthüllt oder durch die Bekleidung noch hervorgehoben. Die Kleidung der Frauen bestand im 16. Jh. aus einem langen Rock, der unten breit war und bis zur Taille hin enger wurde, sowie aus einem kurzen Mieder, das einen großen, länglichen Ausschnitt hatte. Üppige Ärmel, reich bestickt oder geschlitzt. Geraffte und gegürtete Gewänder.

Dazu trug man schwere goldenen Ketten, Haarreifen, Haarschmuck und Perlen. Es gab keinen kleinen zierlichen Schmuck. Die Strömung der Reformation ergriff ganz Mittel- und Westeuropa. Die soziale und konfessionelle Revolutionswelle veränderte grundlegend das gesellschaftliche Leben und bewirkte in den böhmischen Ländern, in der Schweiz, den Niederlanden, England, Frankreich und Deutschland eine Reformierung der Kleidung. Während die Bekleidung der Handeltreibenden und der reichen Bürger recht uneinheitlich war und sich durch ihren Individualismus dem Italien der Renaissance verbunden fühlte, war die Kleidung der übrigen Bevölkerung infolge ihrer wirtschaftlichen Stellung und unter dem Einfluss der Reformation relativ schlicht und unauffällig.

Frauenkleidung: Zweifacher Rock mit Schleppe, vom Rock getrenntes Leibchen mit niedrigem Stehkragen (Koller oder Goller) genannt. Aus diesem Wort entwickelte sich später der Begriff "Collier".

Herrenkleidung: Wams, reich dekoriertes Hemd und Barett. Bis unter das Knie reichende Hosen.
Mode der Landsknechte: Absichtlich "aufgeschlitzte" Kleidung, an jenen Stellen, an denen sie offensichtlich zu eng war (Kniegelenke, Ellenbogen, Schultern) und Barett. Eine große Bedeutung hatte auch die spanische Mode in der Renaissance: Die Herrschaft der spanischen Mode war durch die Machtstellung des spanischen Weltreiches unter Kaiser Karl V. politisch fundiert. Die spanische Macht und Mode trat als Widersacher aller fortschrittlichen und reformatorischen Strömungen auf. Die Tendenzen der Renaissance und der Reformation, die Gedankenfreiheit anstrebten, wurden gerade in den habsburgischen Ländern mit größter Härte verfolgt.

Der Abstand der Höfischen Mode von der Kleidung des Volkes war größer den je.
Frauenkleidung: Gestärkte, steife und unbequeme Kleidung, dunkle Farben (meist schwarz). Hohe spanische Krägen. Die Formen des weiblichen Körpers verschwanden fast völlig.
Herrenkleidung: Hohe verschnürte Hemdblusen, mit spanischem Stehkragen, der so groß und breit sein konnte, dass man ihn "Mühlstein" nannte, falsche Bäuche, dicke Hinterteile der Hosen, steife Samthüte. Die spanische Mode sollte in erster Linie die "dekorative Würde ihres Trägers" hervorheben.

Der Körperschmuck passte sich der Mode an. Der Reichtum an neue Ideen, den die Renaissance hervorbrachte, griff auch auf die Goldschmiedekunst über. Aber anders als in der Architektur, Malerei und Bildhauerei, die mehr oder weniger direkt auf antike Überlieferungen zurückgreifen konnte, gab es in der Schmuckkunst noch keine "Renaissance" antiker Formen (Ausnahme Gemmen und Kameen, die schon im Mittelalter bekannt waren), an denen man sich hätte orientieren können. Die ersten archäologischen Ausgrabungen fanden nämlich erst um 1750/60 statt.

Internationaler Körperschmuckstil: Juwelen der Renaissance aller Länder weisen untereinander eine so starke Ähnlichkeit auf, dass ihr Ursprung kaum festgestellt werden kann. Durch die Wirren der Glaubenskriege fanden die Ornamententwürfe der Renaissancekünstler starke Verbreitung und wurden in allen Ländern zur Verarbeitung herangezogen. Die Kriegszüge der Französischen Könige (Karl VIII, Ludwig XII, und Franz I.) gegen Italien brachten eine rasche Verbreitung des italienischen Geschmacks und der italienischen Mode in Frankreich und von da an in ganz Europa. Mittelpunkt in Frankreich war der Hof Franz I. in Fontainebleau, an dem Benvenuto Cellini als Künstler und Goldschmied wirkte.

Kronjuwelen: Durch Patentbrief stiftete König Franz I. 1530 die französischen Kronjuwelen und schuf damit einen unveräußerlichen Schatz, indem er es jedem weiteren König zur Pflicht machte, ihn nur unverändert oder vergrößert an seinen Nachfolger weiter zu geben. Dies wurde bis 1789 auch befolgt. Kronjuwelen wurden im Laufe der Zeit und in allen Ländern als Sicherheit für ausländische Kredite verwendet.

Im Mittelalter war der Goldschmied ein Handwerker, in der Renaissance hingegen ein Künstler. In der Renaissance wird Schmuck zum Kleinkunstwerk. Neue Schmucktechniken tauchen auf, besonders die Technik und der Dekor der Oberflächengestaltung geht neue Wege.

Aufkommen der ersten Taschenuhren (Peter Henlein, Nürnberg um 1510) und damit entsteht der Bedarf an neuen Artikeln wie Uhrgehäusen und Uhrketten (Chatelains). Große Bedeutung erlangten die Ornamentstiche und Schmuckvorlagen von bedeutenden Künstlern wie z.B. Etienne Delaune (Orléans, Paris/ Henri II., Straßburg, Augsburg); Daniel Mignot (Augsburger Stecher), dessen künstlerische Erweiterung der "Maureske" sowie des "Roll- und Schleifwerks" zum Elegantesten gehört, was die Spätrenaissance hervorbrachte; Virgil Solis (Nürnberger Stecher), dessen Ornamentvorlagen die Hauptquelle für deutsche Goldschmiede wurden; Hans Collaert (Antwerpen) schuf Aggraffen, Anhänger, Ohrringe usw.; weiters Albrecht Dürer (ursprünglich Goldschmied); Hans Holbein; Sandro Botticelli; Ghiberti; Ghirlandaio usw.

Goldschmiede als Juweliere: Bereits im 16. Jh. erscheint er nicht nur als Handwerker, sondern auch als "Vermittler, Auftraggeber und Händler". Goldschmiede leiten große Werkstätten, in denen bis zu 20 anonyme Goldarbeiter die Aufträge nach Entwürfen der Ornamentstecher ausführten. Durch die Glaubenskriege Ende des 16. Jh. siedelten sich Juweliere und Goldschmiede aus den Niederlanden in Deutschland an. Frankfurt und Hanau wurden von Emigranten gegründet. Diese niederländischen Juweliere verkauften ihre Waren hauptsächlich auf der Frankfurter Messe und belieferten die europäischen Fürstenhöfe. Beginn des Handels mit geschliffenen Steinen sowie des Diamanthandels.

Italienische Renaissance: In der Frührenaissance waren es vorwiegend religiöse Themen, in der Hoch- und Spätrenaissance hingegen mythologische Themen.
Kopfschmuck: Das Haar - oft erfindungsreich geflochten und gesteckt - wurde mit Perlen, Schmucksteinen, Stirnbändern, Agraffen oder Haarreifen geschmückt. Hutagraffen in Form von Medaillons (Enseignes).


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