Stücksuche:
Bitte mind. 2 Zeichen eingeben. Weitere Suchmöglichkeiten »

Schmucklexikon von Prof. Leopold Rössler

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z
Nutzen Sie die Funktion der Volltextsuche, um einzelne Einträge des über 3.200 Begriffe umfassenden Schmucklexikons zu finden.  
 Volltextsuche: nur in der Begriffsliste suchen

Tahiti-Zuchtperlen

Die schwarzlippige Perlenmuschel Pinctada Margaritifera, beheimatet in den Gewässern Französisch Polynesiens, war eines der beliebtesten Handels- und Tauschobjekte im Altertum. Mehr als 150 Jahre lang wurden diese Muscheln in großen Mengen gefischt, was keineswegs einfach war. In den Gewässern wimmelte es von Haien und die Taucher mussten in Tiefen bis zu 40 Metern tauchen, um die Muscheln einsammeln zu können.

Die begehrten Perlmuttmuscheln wurden hauptsächlich für Schnitzereien verwendet. In Asien wurden Einlagearbeiten gemacht, speziell bei teuren Möbeln und Ziergegenständen. In Europa florierte die Knopfindustrie. Die Inselbewohner verwendeten Perlmutt für Ornamente, Schmuck, kleine Werkzeuge und die Herstellung von wichtigen alltäglichen Gebrauchsgegenständen wie z.B. für die Fischerei.

England alleine importierte nicht weniger als 5.000 bis 6.000 Tonnen Perlmutt pro Jahr und Frankreich 2.500 Tonnen. Österreich beschäftigte über 8.000 Arbeiter, die Perlmutt bearbeiteten, schnitzten und Knöpfe erzeugten. Auch in alle anderen europäischen Länder wurde exportiert.

Nach der Eroberung Polynesiens und speziell der Inselwelt von "Tuamotu", die 1880 in Besitz genommen wurde, hatte Frankreich die Kontrolle über die ausgedehntesten Perlausternbänke der Welt. Die Sammelstelle für Perlen und Perlmutt war zuerst auf "Tuamotu". Der natürliche Bestand an Wildaustern nahm dramatisch ab. 1883 wurde eine Bestandsaufnahme angeordnet. Es entstanden Schutzzonen, damit eine Regeneration stattfinden konnte.

Die Erfindung des Kunststoffes, z.B. in der Knopfindustrie, führte zu einem Niedergang in der Austernfischerei.
Perlen hatten damals in der Bevölkerung Polynesiens keine große Bedeutung. Sie hatten keine Vorrichtungen, um die Perle bearbeiten oder bohren zu können. Die Europäer, die im 18. Jh. den Pazifik entdeckten, waren verwundert, dass die Einheimischen den Wert der Perlen nicht kannten.
Als die Kunde von den Schätzen durch Europa ging, erweckten die Pazifischen Inseln höchste Begeisterung und Schiffe aller Nationen durchkreuzten die Inseln immer auf der Suche nach Schätzen.
Copra, Perlmutt, Schildpatt, Sandelholz und natürlich die wertvollen schwarzen Naturperlen wurden nach Europa gebracht.

Mit der immer größeren Bedeutung der Kulturperle wurde auch in Tahiti ab 1960 im großen Stil die Perlenzucht betrieben und somit nahm die Industrie einen zweiten Aufschwung. Als Nebenprodukt wird wieder Perlmutt exportiert. Rund 480 Tonnen im Jahr.
Die Kultur der Perlenzucht wird wie bei der Akoya-Zuchtperle vorgenommen. Ein runder Perlmuttkern wird zusammen mit einem kleinen Gewebestück aus dem Mantel einer anderen Muschel in das Bindegewebe der Perlauster eingesetzt.
Die Zuchtindustrie der Tahiti-Zuchtperlen befindet sich heute in Französisch Polynesien und ist in drei Verbänden organisiert.
SPP umfasst 14 der größten Farmen, die etwa 70% der Produkte liefern.
SPPPTI besteht aus ca. 50 kleineren und mittleren Zuchtfarmen.
GIE ist eine Vereinigung von ca. 450 sehr kleinen Familienbetrieben, welche gemeinsam die Ware vermarkten. Zu diesem Zweck werden internationale Tahiti-Zuchtperlen-Auktionen durchgeführt.

Wenn man bedenkt, welch "japanisches Konzentrat" hinter den Blackpearls aus Tahiti steckt, ist es um so erstaunlicher und erfreulicher, dass es einer Österreicherin, nämlich Frau Prof. Elfriede Henhapl gelang, 1990 die fernöstliche Phalanax der Einkäufer zu durchbrechen und zwei Lots Tahiti-Zuchtperlen direkt zu ersteigern. Die Sensation war damals perfekt, eine Europäerin, und noch dazu eine Frau, konnte solche Perlen ersteigern.

1995 wurde "Perles de Tahiti" gegründet, die sich die Aufgabe gestellt hat, verkaufsfördernde Maßnahmen für Tahit-Zuchtperlen, Tahiti-Keshi-Zuchtperlen, Mabes und alle Nebenprodukte auf den Überseemärkten zu schaffen.
Um Tahiti-Perlen zu züchten, braucht man eigene wissenschaftliche Laboratorien, um eine stete Analyse der Wasserqualität durchführen zu können. Die Aufzucht der Muscheln unterliegt einer strengen Kontrolle.
Zu einer Versteigerung gelangen nur geprüfte und gut beschichtete Tahiti-Zuchtperlen!

Bei den Tahiti Zuchtperlen ist Japan wieder die Nr. 1 mit 66% Anteil am Export.
Vom Jänner bis November 1998 wurden 5.117 kg Tahiti-Zuchtperlen exportiert. 1053 kg mehr als im Vergleich zu 1997. Der Wert dieses Exportes in US Dollar 119,000.000.
Der Rekord eines monatlichen Verkaufes fand im Oktober 1998 statt, mit 1070 kg ausgewählten Tahiti-Zuchtperlen.

Die Einzigartigkeit bei der "Tahiti-Cultured-Pearl" besteht aus zwei wichtigen Eigenschaften: Seltenheit und Individualität.
Keine Tahiti-Zuchtperle ist wie die andere. Gemessen an der Weltproduktion von Zuchtperlen beträgt der Anteil von Tahiti-Zuchtperlen nur ein Prozent. Schon allein deshalb ist es besonders schwer, eines der begehrten Colliers von runden Zuchtperlen derselben Farbe, besonders in Stärken von mehr als 12 Millimeter Durchmesser zusammenzustellen.
Von 100 Perlen sind ungefähr 5 Perlen von makelloser Qualität. 15 Perlen entsprechen ebenfalls mit Abstrichen den Qualitätskriterien. Ca. 20 Perlen sind unbrauchbar. Die übrigen 60 Muscheln blieben leer.
Nur die Besten kommen zur Auktion.

Gezüchtet wird die "Tahiti-Cultured-Pearl" im Inneren der schwarzlippigen Perlenauster Pinctada Margaritifera, einer Muschelart aus der Cumingui-Familie. Als Tahiti-Zuchtperle dürfen nur jene Qualitäten bezeichnet werden, deren Oberfläche mindestens zu 80 Prozent eine gleichmäßige starke Aragonitschicht aufweist, die weder den eingepflanzten Kern noch dessen Lage auch nur andeutungsweise erkennen lässt. Tahiti-Zuchtperlen, die diesen Qualitätsanforderungen nicht genügen, erhalten nicht das Handelsprädikat "Tahiti-Cultured-Pearl" und werden zurückgewiesen.


<< Tahiti Zuchtperlen - Klassifikation Taler >>

Verknüpfte Einträge:


Vertiefen Sie Ihr Wissen über Kunst!
Testen Sie unseren Gratisservice Kunstbegriff des Tages. Auf Wunsch erhalten Sie täglich oder wöchentlich per E-Mail einen Begriff aus dem Kunstlexikon geschickt.
Mehr Informationen »

Das Kunstlexikon für das iPhone!
Sie können das Kunstlexikon auch in einer für das iPhone optimierten Version ansehen. Klicken Sie einfach auf den nachfolgenden Link.
Jetzt öffnen »



Aktuelle Objekte:

Sven Boltens... >

Litho WW 651... >



Aktuelle Objekte:

"ohne Titel" >

Stefan Homann >