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Verbundguss für Schmuckanwendungen Das Verbundgießverfahren bietet gegenüber anderen Verbindungstechniken (z.B.
Löten und Schweißen) einige Vorteile wie etwa:
- Neue Designmöglichkeiten.
- Unlösbare Verbindungen.
- Anlauf- und korrosionsfreie Grenzflächen.
- Freiheit von Farbunterschieden, die z.B. Lote verursachen würden.
Angesichts dieser Möglichkeiten erstaunt es, dass das Verbundgießen bei der
Schmuckherstellung nicht häufiger angewendet wird.
Besonders reizvoll ist die Verbindung unterschiedlicher Metalle. Hierbei kommen
verschiedenste Techniken zur Anwendung. Neben mechanischen Verbindungsmethoden
wie Nieten etc. werden stoffschlüssige wie Löten, Schweißen und Sintern
angewendet.
Eine "neue" Verbindungstechnik könnte der Verbundguss sein.
Was Verbundguss leisten kann, sieht man z.B. in der Dentaltechnik. Dort wird er
seit vielen Jahren zur Herstellung von prothetischen Konstruktionselementen
eingesetzt. Dabei steht der Verbundguss in direktem Wettbewerb mit der
Löttechnik. Auch industrielle Bauteile mit besonderen Eigenschaften entstehen im
Verbundguss. So lassen sich gute Verschleißbeständigkeit, gute Wärmeleitung und
Korrosionsbeständigkeit des einen Werkstoffs mit besonders hoher Festigkeit,
guter Bearbeitbarkeit und weiteren Eigenschaften des anderen Werkstoffs sinnvoll
kombinieren.
Beim Verbundgießen haben wir es mit einer Reaktion zwischen einem festen,
metallischen Einlegekörper und einer Metallschmelze zu tun. Trifft die Schmelze
auf das feste Metall, so bildet sie nur unter bestimmten Voraussetzungen einen
stoffschlüssigen Verbund.
- Grundvoraussetzung ist der direkte Kontakt zwischen den Metallen. Dafür
muss sowohl der feste Körper als auch die flüssige Phase frei von
nichtmetallischen, insbesondere von oxidischen Trennschichten sein.
- Die Legierungen müssen mischbar sein oder intermetallische Verbindungen
bilden. Die thermischen Verhältnisse sollten so sein, dass eine gute Benetzung
des Metallkörpers erfolgt und eine Legierungsbildung ablaufen kann.
- Um nicht nur punktuell zu verbinden, darf die flüssige Phase nicht sofort
beim Auftreffen auf die Metalloberfläche erstarren, sondern sollte eine
gewissen Zeitdauer im flüssigen Zustand verbleiben. Werden zusätzliche Kräfte
durch Druckguss oder Schleuderguss aufgebracht, verringert sich die benötigte
Zeit.
Die Sauberkeit der Kontaktflächen lässt sich durch gasförmige oder flüssige
Schutzmedien gewährleisten. Hier ist insbesondere das Beschichten mit
Flussmittel für bestimmte Arbeitstemperaturbereiche zu erwähnen. Bewährt haben
sich pastenförmige Flussmittel auf Basis Borax-Borsäure mit Zusätzen von
Fluoriden. Geeignet sind auch vorher aufgebrachte Galvanoschichten mit geringer
Oxidationsneigung, die eine Mindeststärke von 20 µm haben sollten. Hilfreich zur
Vermeidung bzw. Reduzierung der Oxidbildung ist auch das Vorwärmen der
Gussküvette unter Schutzgasatmosphäre. Wird der Verbundguss in einer
Vakuum/Druckgussmaschine durchgeführt, kann die Küvette mit einem reduzierenden
Gas gespült werden.
Die wichtigste Aufgabe beim Verbundguss besteht darin, ein geeignetes
örtliches und zeitliches Temperaturfeld im Gussteil einzustellen. Beim Gießen
muss sich die Temperatur an der Kontaktfläche so weit erhöhen, dass ein Wert
oberhalb der Solidustemperatur des festen Werkstoffpartners eingestellt wird.
Erst wenn eine Flüssigschichte an der Kontaktfläche vorliegt, kann es zur
Verbundbildung kommen. Eine Möglichkeit, die benötigte Grenzflächentemperatur
herabzusetzen besteht darin, die Kontaktfläche mit einem niedrig schmelzenden
Lot zu beschichten.
Bei der Auswahl der Legierungskombination sind folgende Kriterien zu
beachten:
- Die Legierungen müssen mischbar sein.
- Schmucklegierungen mit geringem Kupfergehalt sowie einem niedrigen Anteil
oxidierender Legierungsbestandteile bevorzugen.
- Solidus des eingelegten Metallteils sollte mindestens 100 °C über Liquidus
der Gusslegierung liegen.
- Legierungen ohne komplexes Ausscheidungsverhalten benutzen.
- Legierungen mit ähnlichem Wärmeausdehnungskoeffizienten benutzen.
- Kalverformte Metallteile aus Blech, Draht oder Rohr zum Einlegen
verwenden.
- Legierungen mit hoher Gaslöslichkeit meiden.
Ein idealer Werkstoff für den Verbundguss sind Platinlegierungen. Sie
oxidieren nicht oder nur sehr gering und sind dadurch in Kombination mit 750/000
Gelbgold die am häufigsten verwendeten Metalle.
Durchführung:
Für das Aufbaumen muss das Gussteil vorbereitet, d.h. Wachs- und Metallteil
miteinander verbunden werden. Dies kann z.B. wie beim Eingießen von
Schmucksteinen geschehen, indem Metallteile ins Wachsmodell eingesetzt werden.
Eine weitere Möglichkeit besteht darin, eine Gummiform mit Platzhalter
herzustellen. Das Metallteil wird in der Form platziert und flüssiges Wachs
eingespritzt.
Bei der Präparation muss darauf geachtet werden, dass die Metallteile über das
Wachs hinaus stehen, nur so sitzen sie nach dem Ausbrennen des Wachses in der
Einbettmasse fest. Eine wichtige Voraussetzung für den erfolgreichen Guss ist
eine äußerst saubere Modellation. Dabei darf kein Luftspalt zwischen Metall und
Wachs vorhanden sein, da sich dieser sonst mit Einbettmasseflüssigkeit füllt und
zur Oxidation der Grenzfläche führt.
Zum Einbetten können handelsübliche Gips-, phosphatgebundene oder
Speed-Einbettmassen verwendet werden. Letztere haben den Vorteil, dass Güsse
bereits nach 1-2 Stunden Ausbrennzeit durchführbar sind. Voraussetzungen zum
Funktionieren des Verfahrens ist die richtige Küvettentemperatur. Diese sollte
experimentell ermittelt werden. Der Gießprozess muss kontrolliert ablaufen,
darum sollte die eingesetzte Gießmaschine über eine Temperaturmessvorrichtung
verfügen. Bei zu niedriger Temperatur der Schmelze besteht die Gefahr, keinen
stoffschlüssigen Verbund zu erzielen, bei zu hoher Temperatur kann es passieren,
dass Schmelze das Metallteil anlöst, im ungünstigsten Fall auflöst. Ein großer
Vorteil ist es, wenn der Kontakt zwischen Schmelze und festem Metall durch
Druck- oder Zentrifugalkräfte verstärkt werden kann. Vorteilhaft ist auch das
Fluten der Küvettenkammer mit reduzierendem Gas.
Die Abkühlphase der Gussküvette ist eine kritische Zeitspanne. Drei verschiedene
Werkstoffe, die Einbettmasse sowie zwei verschiedene Legierungen kühlen
gleichzeitig, aber mit unterschiedlichen Schrumpfungsraten ab. Dies kann zu
starken Gussspannungen im Schmuckteil sowie zu einer Rissbildung (Erstarrungs-
oder Schrumpfriss) an der Grenzfläche der beiden Legierungen führen. Aus diesem
Grund sollte die Küvette möglichst langsam an Luft auf Raumtemperatur abkühlen.
Abschrecken in Wasser kann zum Reißen an der Grenzfläche führen. Nach dem
Auskühlen wird die Einbettmasse schonend entfernt, und die Gussteile auf Anrisse
an der Grenzfläche untersucht. Sind keine Anrisse sichtbar, sollte das Gussteil
einer Wärmebehandlung unterzogen werden, bei der sich Spannungen zwischen den
verbundenen Metallteilen vermindern.
C. Hafner, Gold- und Silberscheideanstalt, Pforzheim
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