Berliner Eisenschmuck.  Als erste Produktionsstätte für gegossenen Eisenschmuck gilt die 1786 gegründete Gleiwitzer Hütte in Schlesien. Die Blütezeit des Eisenschmucks war vom Ende 18. Jh. bis etwa 1850; nach 1870 wurde er kaum mehr produziert. Der Großteil des Eisenschmucks ist gegossen; es gibt aber auch aus Eisendraht bestehende Ausführungen. Der seit 1804 in der Königlich Preußischen Eisengießerei in Berlin im Feingussverfahren hergestellte Schmuck war so bekannt, dass allgemein zumeist nur von "Berliner Eisenschmuck" gesprochen wurde, zur Unterscheidung von aus Frankreich oder England stammenden Fabrikaten. Die feine Qualität des Berliner Eisenschmucks soll zu einem großen Teil auf den in Berlin verwendeten märkischen Formsand zurückzuführen gewesen sein. 1808 beschlagnahmte der französische Generalinspekteur de Villefosse in der Berliner Gießerei 749 Schmuckformen.

Während der Napoleonischen Kriege (1807/08-1812) folgten patriotische Frauen in Deutschland dem Aufruf, ihren Goldschmuck abzuliefern, um einen Beitrag zur Abdeckung der Kriegskosten zu leisten. An die in den Freiheitskriegen (1813-15) erhobene Forderung, Gold zur Finanzierung der Befreiung von der Herrschaft Napoleons I. abzuliefern, erinnert die Aufschrift "Gold gab ich für Eisen 1813", die auf eisernen Armbändern usw. gelegentlich zu finden ist. Als Motive beliebt waren vor allem Medaillons mit Bildnissen in klassizistischer Manier; viele Entwürfe für diese "Bildniskameen" stammten von dem Medailleur Leonhard Posch (1750-1831), den man 1804 von Wien nach Berlin geholt hatte. Die Schwarzfärbung der Schmuckstücke erfolgte durch das Auftragen dünner Lackschichten, die jeweils nach dem Aufbringen durch Erhitzen getrocknet wurden, wodurch das enthaltene Öl verdampfte und ein matt-schwarzer Glanz entstand. Zum Unterschied davon erhielt der in England bereits im ersten Drittel 18. Jh. beliebte * Stahlschmuck seinen Glanz durch geschliffene * Facetten, die an teuren Diamantschmuck erinnern sollten.


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