Berliner Porzellanmanufaktur. 1751 eröffnete der Wollzeugfabrikant W. C. Wegely in Berlin die erste Porzellanmanufaktur Preußens und erhielt das Privileg, Rohmaterialien zollfrei einführen zu dürfen. (In der von F. v. Görne mit Hilfe S. Kempes, eines Mitarbeiters von * Böttger, 1713 in Plaue a. d. Havel gegründeten Manufaktur wurde kein echtes * Hartporzellan hergestellt.) Die unter Wegely produzierten Gegenstände tragen als Werkstattzeichen ein blaues "W". Modelle und Bemalung stammten vom Bildhauer E. H. Reichard (gest. 1764) und den Malern I. J. Clauce (1728-1803) und F. Roth (1723-1802).

Durch Absatzschwierigkeiten wegen des Siebenjährigen Krieges und der starken Konkurrenz durch * Meißen endete die Wegely-Periode schon 1757. Einen zweiten Versuch, in Berlin Porzellan zu erzeugen, startete 1761 der Tuchfabrikant Johann Ernst Gotzkowsky. Er stellte J. G. Grieninger als Direktor ein und warb drei Porzellanmaler und den unter Kaendler in Meißen tätigen Modellmeister Johann Elias Meyer von Meißen ab. Neben Tafelgeschirr wurden Uhrgehäuse, Stock- und Degengriffe, Etuis sowie Figuren hergestellt und als Dekor die * Deutschen Blumen eingeführt. 1763 übernahm König Friedrich II. für 225.000 * Taler den Betrieb mit 146 Beschäftigten; 1771 zählte die Manufaktur bereits 400 Mitarbeiter. Um den Umsatz zu heben, zwang der König die in seinem Reich lebenden Juden durch einen Erlass, bei Anträgen an die Obrigkeit, wie Geschäftseröffnung, Heiratserlaubnis usw., von der königlichen Manufaktur Porzellan zu erwerben, wobei die angekauften Gegenstände nicht ausgewählt werden durften (* Judenporzellan).

Mitte der 80er Jahre wurde bereits ein jährlicher Reingewinn von 20.000 Talern erzielt, der nach 1800 noch verdoppelt werden konnte. Ein Großteil der unter Friedrich II. erzeugten Gegenstände ist im Rokokostil ausgeführt. Als Besonderheit galt das "rosenrote" Porzellan. Eine bekannte Modellbezeichnung der Berliner Porzellanmanufaktur. war gegen Ende 18. Jh. * "Neuglatt". Mit diesem Modell vollzieht sich der Durchbruch des Klassizismus in der Porzellangestaltung und äußerte sich bei den Tellern durch eine Gliederung in * Spiegel und * Fahne, wobei die Fahne entweder mit einer gemalten oder (bei Desserttellern) durchbrochenen Bordüre verziert ist. Bekannte in "Neuglatt" ausgeführte Tafelgeschirre sind das 1769 für Schloss Sanssouci hergestellte "Japanische Service" und das 1772 für Schloss Charlottenburg produzierte "Blumenkorbservice". Auf die Modellbezeichnung Neuglatt basierende Spielarten sind "Englischglatt" und "Königsglatt". Manufakturmarken waren anfangs ein blaues * Zepter (auf weißem Porzellan) oder ein braunes Zepter auf farbigem Grund. Da von anderen Betrieben in Fälschungsabsicht ähnlich geformte Marken in den Handel kamen, wurde zusätzlich entweder der Preußische Adler hinzugesetzt oder die Aufschrift "K P M" (Königliche Porzellan Manufaktur) eingefügt. Bei einigen Gegenständen ist das Zepter durch eine Weltkugel ersetzt. Große Verkaufserfolge brachten die 1830 von Direktor Frick eingeführten * Lithophanien und * Porzellanspitzen.


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