Biblia pauperum, lat., "Armenbibel", auch Biblia picta, "bemalte Bibel", "Bilderbibel".

Bezeichnung für typologisch angelegte bebilderte Handschriften und * Blockbücher. Die oft zitierte Erklärung, dass die Biblia pauperum für die des Lesens Unkundigen, die "Armen im Geiste", bestimmt war, ist umstritten. Ursprünglich dienten die so genannten Armenbibeln wahrscheinlich in den Klöstern zur Unterweisung von Novizen und Scholaren, spätere Ausgaben zählen wie das Stundenbuch zur mittelalterlicher Erbauungsliteratur. Es wird angenommen, dass sich die erhaltenen etwa 80 Exemplare der Biblia pauperum auf ein  um 1350 entstandenes Basiswerk zurückführen lassen. Die Biblia pauperum war im Spätmittelalter besonders in Deutschland und in den Niederlanden verbreitet. Die Bilder aus dem NT werden von vier weissagenden Propheten sowie meist zwei alttestamentarischen Bildern flankiert und * typologisch gedeutet. Die Darstellungen wurden ursprünglich durch knappe lat. Texte, später durch Schriften in dt. Mundart oder durch zweisprachige Texte erläutert. Zunächst waren 34 vom NT ausgehende Bildgruppen wiedergegeben. Ihre Zahl stieg im 14. Jh. auf über 50 an, die in typologischer Zuordnung alttestamentlichen Geschehnissen gegenübergestellt sind. Seit Mitte 15. Jh. wurden die Armenbibeln nicht mehr als Handschriften, sondern in Form von  * Blockbüchern herausgegeben. Die ersten mit beweglichen Lettern gedruckten Biblia pauperum stammen von A. Pfister in Bamberg (1462/63).


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