Bogen

1) gewölbte Überspannung von (Mauer-)Öffnungen. Wie durch eine Aneinanderreihung von Bögen Entfernungen überbrückt werden können, demonstrierten schon die römischen Baumeister mit den Aquädukten. Im Steinbau beginnen Bögen mit dem "Anfänger", dem ersten Stein über dem als Kämpfer bezeichneten Widerlager, und enden am Scheitelpunkt mit dem * Schlussstein. Die Unterseite eines Bogens wird Laibung genannt. Rundbögen sind  für die romanische Bauweise typisch (* Bogenformen). Vom durchbrochenen Bögen zu unterscheiden ist der so genannte * Blendbogen.

2) Seit dem Altertum bekannte Fernwaffe, früher auch * Flitzbogen genannt. Der Bogen besteht aus einem elastischen, oft aus Eiben-, Ulmen- oder Eschenholz geschnitzten Stab, dessen Enden mittels der Bogensehne verbunden sind. Ist der Bogen längere Zeit nicht in Gebrauch, wird die Sehne von einem Ende des Bogens abgenommen und der Bogen dadurch entspannt. Beim neuerlichen Befestigen der Sehne, beim so genannten Spannen des Bogens, muss man diesen krümmen, um die Sehne einhängen zu können, was bei starken Bögen viel Kraft erfordert (vgl. * Penelope). Durch Ausziehen und Loslassen der Sehne wird der eingesetzte Pfeil abgeschossen. Das Ausziehen der Sehne erfolgt meist mit dem Zeige- und dem Mittelfinger der rechten Hand (mit dem in der Sehne eingesetzten Pfeil zwischen diesen Fingern). Ausgezogen wird die Sehne für gewöhnlich bis an das Kinn oder an das Ohr. Manche Völker verwendeten zum Ausziehen der Bogensehne einen am Daumen getragenen Ring (Daumenring) mit einem kleinen hakenförmigen Fortsatz für die Sehne. Das Ziel wird mit dem Pfeil anvisiert und die Bogensehne losgelassen, die den Pfeil wegschnellt. Während das Fußvolk oft Langbogen verwendete, waren die so genannten Reiterbogen der Türken, Hunnen etc. zur leichteren Handhabung vom Pferd aus relativ kurz. Bogen und Pfeile sind Attribute des Helden * Herakles, des Liebesgottes * Eros/* Amor und der Jagdgöttin * Artemis/* Diana. Eine Weiterentwicklung des Bogens, was das genaue Anvisieren eines Zieles mittels so genannten * Absehen betrifft, stellt die * Armbrust dar. Mit dem Bogen konnte allerdings eine wesentlich raschere Schussfolge erreicht werden. Einem geübten Bogenschützen war es möglich, in der Minute bis zu zehn Pfeile abzuschießen. Zum Spannen der Armbrust war dagegen im Allgemeinen ein spezielles Gerät (* Armbrustspanner) notwendig, was die Schnelligkeit der Schussfolge wesentlich reduzierte. Die Überlegenheit der mit Langbogen bewaffneten Bogenschützen soll 1346 bei Crécy zum Sieg der Engländer unter Eduard III. über die Franzosen unter Philipp VI. geführt haben. Ihre mit den bis zu zwei Meter langen Bogen abgeschossenen Pfeile mit Eisenspitze standen den Armbrustbolzen an Durchschlagskraft nicht nach, d. h. sie durchschlugen gleichfalls eiserne Brustharnische; die Schussfolge der Bogenschützen war aber fast zehnmal so rasch. 


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