Byzantinische Kunst, im Einflussgebiet des byzantinischen Reichs entstandene Kunstform.

Die erste überregionale Bedeutung der byzantinischen Kultur begann 293 n. Chr. mit der Bildung der Tetrarchie (Viererherrschaft), d. h. der Aufteilung des römischen Imperiums durch Diokletian unter zwei Augusti (Diokletian und Maximian) sowie zwei Mitregenten oder Caesares (Constantius Chlorus und Galerius), genauer gesagt durch die Niederlassung Diokletians in der Nähe von Byzanz, einer Gründung der Griechen. Da Byzanz in der Folge immer mehr an Bedeutung gewann, befahl Konstantin I., der Gr., die alte griechische Handelsstadt nach ihm in Konstantinopolis umzubenennen. 330 n. Chr. wurde Konstantinopel zur Hauptstadt des Oströmischen Reiches geweiht und bildete die Basis für ein Jahrtausend byzantinische Kunst. Unter Theodosius I. (Kaiser 379-395) wurde das römische Weltreich 394 für kurze Zeit noch ein letztes Mal vereint. Nach dem Tod des Kaisers 395 n. Chr. in seiner Residenz in Mediolanum (Mailand) fielen die unter den Söhnen Arkadius und Honorius aufgeteilten Reichshälften endgültig auseinander, und das in Konstantinopel umbenannte Byzanz wurde zum Ausgangspunkt des Byzantinismus. Unter Justinian I., d. Gr. (Kaiser. 527-565) erlangte das byzantinische Reich jene Ausdehnung, die das römische Reich vor der Teilung besessen hatte. Konstantinopel entwickelte sich während seiner Regierung zum politischen, geistigen und kulturellen Zentrum der europäisch-mediterranen Welt. Mit Förderung des Staates sollte die Kunst mithelfen, die alte westliche Welt an Pracht und Schönheit zu übertreffen. Der byzantinische Stil entwickelte sich aus der altchristliche Kunst, basierend auf antiken Vorbildern. Die byzantinische Kunst wird meist in folgende Abschnitte gegliedert: Nach der Eroberung Konstantinopels durch die Türken 1453 lebte die byzantinische Kunst nahezu unverändert in den Athosklöstern fort. Einen selbständigen Verlauf und eine Weiterentwicklung erfuhr die byzantinische Kunst in der Ostkirche, insbesondere in der * Ikonen-Malerei in Russland. Die erhaltenen byzantinische Darstellungen sind zumeist religiöser Art. Sie basieren auf altchristlichen Bildinhalten und wirken in ihrer starren Strenge feierlich erhaben, * hieratisch. Profane byzantinische Werke lassen im Allgemeinen eine Anlehnung an die griech.-röm. Kunstauffassung erkennen. Ein schönes Beispiel für die enge Beziehung der byzantinischen zur spätantiken Kunst ist das aus dem 10./11. Jh. stammende Veroli-Kästchen, das zu den aus Elfenbein geschnitzten so genannten Rosettenkästchen zählt und im Victoria & Albert Museum in London aufbewahrt wird. Zu den hervorragenden Beispielen byzantinische Kunst zählen in Cloisonnétechnik ausgeführte Emailarbeiten, etwa ein in der Zeit von 886-912 entstandener Bucheinband (Biblioteca Marciana, Venedig), ein Kreuzreliquiar, entstanden 964-65 (Domschatz, Limburg a. d. Lahn), die so genannte Krone von Konstantin IX., entstanden in der Zeit von 1042-50 (National Mus. Budapest) und Teile der * Pala d'Oro (San Marco, Venedig).


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