Chinoiserie, die, von französisch chinois, "chinesisch",

Terminus für (Kunst-)Gegenstände mit Verzierungen nach chinesischem Vorbild, früher im deutschsprachigen Raum auch als Chinesereien bezeichnet. Importe durch die * Ostindische Kompanie und zeitgenössische Reisebeschreibungen weckten erstmals um 1650 das Interesse für eine Dekorform im "Chinageschmack". Anfänglich wurden besonders in Venedig und in der Majolikamanufaktur der Medici Keramiken im Stil des chinesischen Blauweiß-Porzellans hergestellt. Im Rokoko entwickelte sich die Chinoiserie dann zum selbständigen Kunstzweig mit westlichen Nachempfindungen chinesischer Kunst.

Der Chinoiserie-Stil kam besonders bei Innendekorationen (* Stukkaturen, bemalten Tapeten etc.), bei Textilien und bei der Verzierung von * Geschirr sowie bei Figuren aus * Porzellan und * Fayence zum Ausdruck (vgl. * Delfter Fayencen). Die Möglichkeit, seit Beginn des 18. Jh. auch in Europa Porzellan herzustellen, führte zur Einrichtung spezieller Porzellankabinette (Cabinet à la porcelaine). Ein Großteil des in diesen Schauräumen präsentierten Porzellans war als Chinoiserie ausgeführt. Vereinzelt haben sich solche Porzellankabinette in Schlössern bis heute erhalten. Der Chinoiserie-Dekor besteht oft aus Blumenmotiven, es sind aber auch * Genredarstellungen zu finden. Von 1720-30 bestand der Hauptdekor aus kleinen farbigen Chinesenfiguren. Von 1720-60 waren vermehrt Darstellungen von chinesischen Gebäuden in Phantasielandschaften üblich.

Die Zeit von 1760 an gilt als die "romantisierende Epoche der Chinoiserie". Im Klassizismus verlor die Chinoiserie zwar an Aktualität, blieb bei Inneneinrichtungen und Porzellan aber noch bis Anfang 19. Jh. in Mode. Das bekannteste Chinoiserie-Interieur aus der Spätzeit dieses Stils befindet sich in dem 1802-1821 errichteten königlichen Pavillon in Brighton. In der Zeit von etwa 1840-60 (* Neorokoko) waren Chinoiserien dann wieder modern. Vor allem ausgelöst durch die * Weltausstellungen (1851 in London usw.), entwickelte sich Mitte 19. Jh. ein großes Interesse für japanische Waren (vgl. * Japonismus).


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Chintz »


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