Décadence, Décadism, Dekadenz, franz., "Verfall", "Niedergang" (besonders von Kulturen).

Besonders auf Bildender Kunst und Literatur bezogene Geistesströmung und Kunsttheorie in Frankreich in der 2. Hälfte 19. Jh. Die Anhänger der Décadencetheorie vertraten die Meinung, die überfeinerte Kunst und Kultur seien ein Anzeichen für den bevorstehenden Untergang dieser Kunst und in weiterer Folge der gesamten Menschheit. Präsentiert wurde die französische Kunsttheorie der Décadence u. a. von dem Saint-Simonisten E. Barrault in seinem 1830 erfolgten Aufruf an die Künstler, in dem er feststellte, dass die Décadence der Künste unübersehbar sei und die Gleichgültigkeit der Gesellschaft für Kunstwerke davon Zeugnis ablege. Beeinflusst wurde die Strömung u. a. auch von den 1884 und 1891 erschienenen Romanen "A Rebours" (Gegen die Natur) und "Là bas" (Dort unten) von J. K. Huysman.

Die Décadencebewegung schuf die Grundlage für symbolistische Denkweisen und Empfindungen und bildete so die Basis für den * Symbolismus, mit dem die Décadence bisweilen auch assoziiert wird. Die Décadence prägte nicht nur die Kunstauffassung, sondern auch die Lebenseinstellung von Dichtern wie Charles Baudelaire, Stéphan Mallarmé und Paul Verlaine. Baudelaire bezeichnete den Künstler als Décadent, als Außenseiter, der daraus aber die schöpferische Kraft gewinne. Die Décadence ist gekennzeichnet durch das Pendeln zwischen sinnlichem Raffinement und Ekel vor dem verderbt Schönen. Das Gedankengut der Décadence wurde u. a. in den Pariser Zeitschriften "La Décadence" und "Décadent" verbreitet.

Während Künstlergruppen wie * Präraffaeliten und * Nabis das Verlangen nach einer Jenseitsgewissheit und nach mehr Gefühl artikulierten, wollten die die Décadencetheorie vertretenden Künstler eine Schockwirkung erzielen, häufig durch Darstellungen von Sexualität und Satanismus.


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